Der Text im Johannesevangelium über die Speisung der etwa 5000 Menschen erzählt von einem Geschenk- und Vermehrungswunder: materieller Mangel wird behoben, Not wird gelindert und aufgrund eines unerwarteten Geschenkes wird Fülle erlebbar. Gleichzeitig zeigt uns der Text den Lösungsansatz in der sozialen Frage: es gilt nicht nur, geistige Nahrung, das Hören des Wortes Gottes und die Schriftlesungen zu verteilen, sondern auch Brot. Schon bei Moses und den Propheten (vgl. 2 Kön 4, 42–44) geht es um das Verteilen von Brot. Jesus selbst stellt im Vaterunser die Bitte um das tägliche Brot ins Zentrum des Gebetes, gekoppelt allerdings an das eigene Tun und Handeln: die Bitte um Nahrung setzt die soziale Pflicht des/der Einzelnen gegenüber dem Nächsten voraus, setzt aber auch die religiöse Pflicht gegenüber Gott voraus, der nicht nur ein Gott des Geistes ist, sondern auch der Gott der Materie, nicht nur der Gott der Seele und des Wortes, sondern auch der Gott des Leibes und des Brotes. Beides bedingt einander: für uns gilt also, nicht nur das Wort zu verkünden, sondern auch Alternativen zu mehr Verteilungsgerechtigkeit zu diskutieren. Im Evangelium wird der Vorschlag des Kaufens verworfen, der Blick gilt dem, was schon vorhanden ist und dem persönlichen Handlungsfeld. Überall dort, wo Menschen beisammen sind und Gemeinschaften bilden, ist etwas da: verschiedene Gaben und Dinge, die wir brauchen können. Im Prozess des Teilens wird aus wenig viel. Indem wir das zusammenlegen, was wir haben und können, werden unsere Mängel aufgehoben aufgrund der Schätze, die in Gemeinschaften sichtbar werden. Dieser Ansatz von Gemeinschaft und Ökonomie setzt Vertrauen voraus: Jesus ergreift die Initiative und teilt das Brot. Er vertraut darauf, dass Gott sein Handeln segnet. Die Jünger lassen sich auf die Anweisung Jesu ein und vertrauen darauf, dass dieser Weg trägt und Heil bringen wird. Die Menschen vertrauen darauf, dass sie nicht betrogen werden, wenn sie das, was sie haben, beginnen zu teilen. Gott traut den Menschen zu, dass sie lernen in Freiheit ihm und sich gegenseitig zu vertrauen. Der Kreislauf des Vertrauens ist die Grundlage dafür, dass das Wunder der Speisung möglich wird. Vertrauen heißt auf Latein auch credit – es geht also um die Geschichte einer Kreditgemeinschaft, die aus der Erfahrung des Teilens lebt: alles, was vorhanden ist, wird der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt, Bedürfnisse sind wichtiger als Kaufkraft. In einer gemeinsamen Aktion wird die Macht des Geldes gebrochen und Gott segnet es.