Zwei christliche Stadtteile in der Hauptstadt der Molukken eingeäschert. In den letzten Wochen gab es mehr Tote und Flüchtlinge auf den Gewürzinseln als während der Massaker auf Osttimor 1999.
Der Bericht über die Lage in der Hauptstadt der Molukken, der vom Krisenzentrum der Diözese in Ambon täglich veröffentlicht wird, liest sich wie ein Kriegstagebuch. 19. Juni: „Um 11 Uhr begannen Moslems/Jihad-Kämpfer mit dem Niederbrennen mehrerer Häuser im (christlichen) Stadtteil Manggadua. Um 13 Uhr versuchte eine andere Moslemgruppe, zum christlichen Schulzentrum in Urimessing durchzukommen; aber christliche Zivilisten konnten sie erfolgreich aufhalten. Das geschah rund 50 Meter vom Militär-Hauptquartier Kodam XVI entfernt, doch allem Anschein nach schien das die Militärs nicht zu beunruhigen.“
Mehr als 500.000 Vertriebene
Schon am Tag zuvor schloss der Bericht aus Ambon: „Die Menschen in der Stadt fürchten, dass bald neue muslimische Angriffe starten. Dabei gibt es nichts und niemanden, der sie bei der Durchsetzung ihres letzten Zieles aufhalten könnte: der Zerstörung von Ambon und der Vernichtung all dessen, was christlich ist. Es ist nur schwer zu glauben, dass Moslems aus Ambon diese Programme von Herzen unterstützen. Es ist sehr erstaunlich, dass 21 Bataillone der Armee, die auf den Molukken stationiert sind, die laufend wachsende Gewalt nicht stoppen können.“Die Zahl der seit dem Ausbruch der Kämpfe zwischen Christen und Moslems im Jänner 1999 Getöteten wird von der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV) mit über 4000 angegeben. Und laut Ulrich Delius, Asienexperte der GfvB, wurde in den letzten 17 Monaten jeder Vierte der 2,1 Millionen Einwohner der 1000 Inseln zählenden Molukken zum Flüchtling. Zu den besonders schwierigen Aufgaben des diözesanen Krisenzentrums in Ambon gehört es, die Evakuierung von Flüchtlingen vorzubereiten. Zwar haben viele Molukker gute Kontakte zu den Niederlanden. Im Land der einstigen Kolonialmacht der Gewürzinseln leben rund 50.000 ehemalige Bewohner. Wieder andere wollen nach Australien. Doch die meisten schaffen es nur auf andere indonesische Inseln, wenn überhaupt.
Auf der Flucht ertrunken
Denn erst Ende Juni ist auf der Fahrt von der Insel Halmahera nach Sulawesi das Fährschiff „Cahaya Bahari“ (für 250 Personen gebaut) mit über 600 Flüchtlingen an Bord offiziell gesunken. Doch nach der Bergung von zehn Überlebenden durch die Armee sind viele davon überzeugt, dass es sich dabei nicht um Schiffbrüchige gehandelt hat. Vielmehr soll die „Cahaya Bahari“ angegriffen und versenkt worden sein.Mehrere christliche Frauenorganisationen haben indes am 20. Juli in Ambon einen dramatischen Appell um Hilfe bei der Evakuierung veröffentlicht: „Wir sind wehrlose, schwache Frauen und Kinder, die wir seit 18 Monaten in unaufhörlicher Angst leben: in Flüchtlingsquartieren, Schulen, in den Bergen, auf Abhängen und in Tälern. Und unser Platz wird immer kleiner. Bitte schickt uns Boote!“
REAKTIONEN
Blauhelme für Gewürzinseln
Am 26. Juni haben die Christen auf den Molukken die Entsendung von UN-Einheiten gefordert. „Der Völkermord muss eingestellt werden“, heißt es im Appell an den Weltsicherheitsrat, der vom katholischen Weihbischof von Ambon, Joseph Tethool MSC, und dem protestantischen Bischof Sammy Titaley unterzeichnet ist.
Quasi als Reaktion darauf hat am selben Tag Staatspräsident Wahid den zivilen Notstand auf den Molukken ausgerufen. Und ein Sprecher des Außenministeriums in Jakarta lehnte ein internationales Eingreifen mit den Worten ab: „Das ist ein internes Problem. Wir versuchen es zu lösen.“Ein Sprecher des EU-Kommissars für Außenbeziehungen, Chris Patten, sagte der Nachrichtenagtentur IPS gegenüber, dass die EU und niemand im Westen so kurz nach dem Erreichen der Autonomie für Osttimor die territoriale Integrität Indonesiens in Frage stellen will. Gleichzeitig bestätigte er, dass beim Treffen der 15 EU-Außenminister am 10. und 11. Juli die Lage auf den Molukken nicht angesprochen wurde. Dabei waren auch die Schwerpunkte der EU für die 55. UN-Vollversammlung festgelegt worden. Nun konzentrieren sich die Erwartungen auf die dritte Augustwoche. Dann nämlich wird in Genf die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen tagen.