Vor 250 Jahren, am 28. Juli, starb Johann Sebastian Bach.
Ausgabe: 2000/30, Bach, Johann Sebastian Bach, Genie, Musik, Emanuel
25.07.2000
- Helmut S. Ruppert
Am 28. Juli jährt sich der Todestag von Johann Sebastian Bach (geboren 1685) zum 250. Mal. Er stammt aus einer weit verzweigten Musikerfamilie, aus der im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche erfolgreiche Organisten und Komponisten hervorgingen.
Sein Ruhm als berühmter Orgelspieler und -lehrer breitete sich von Weimar aus, wo er ab 1708 tätig war. „Der fünfte Evangelist“ wurde Johann Sebastian Bach wegen seiner „musikalischen Predigten“ genannt. Mit seiner Musik verbreitete er die Botschaft Jesu über die Konfessionen hinweg. Mit dem Tod war der Erfolg seiner mehr als 1000 Werke vorerst zu Ende. Erst 150 Jahre später wurde Bach wieder entdeckt.Er selbst sah den Grund für seinen Erfolg nicht in seinem genialen Wesen, sondern in seinem Fleiß.
Am Freitag, 28. Juli 2000, gibt es zum 250. Todestag um 20 Uhr in der Martin Luther Kirche Linz (Landstraße) Motetten und Orgelmusik von J. S. Bach zu hören.
Der fünfte Evangelist
Am 28. Juli vor 250 Jahren starb Johann Sebastian Bach
Wegen seiner musikalischen Predigten wurde Johann Sebastian Bach schon bald der „fünfte Evangelist“ genannt.
Tränenüberströmt fiel der junge Mann mitten in der Küche auf die Knie: „Die wissen gar nicht, welchen Verlust die Welt erlitten hat“, rief er fassungslos. Carl Philipp Emanuel war soeben vom Begräbnis seines Vaters Johann Sebastian Bach heimgekehrt. Dabei war der 65-Jährige noch voll Tatendrang und robuster Konstitution – nur die Augen wollten nicht mehr. War es ein Fehler gewesen, den berühmten Augenarzt John Taylor aus London nach Leipzig kommen zu lassen, der ihm durch Operationen die Sehkraft zurückgeben wollte? Dann kamen der Schlaganfall und ein „hitziges Fieber“ dazu, das ihn am 28. Juli 1750 dahinraffte.
Schnell vergessen
Was aus dem Sohn im Schmerz hervorbrach, schien sich zu bestätigen: Wenige Jahre später war sein Werk vergessen, ebenso seine letzte Ruhestätte auf dem Johanneskirchhof. Erst 1894 wurde das Grab wieder entdeckt. Und 1829 begann mit Felix Mendelssohn Bartholdys Aufführung der Matthäus-Passion Bachs Wiederentdeckung und somit sein zweiter Triumphzug.Wie kaum einem der großen Musiker war dem am 21. März 1685 geborenen Johann Sebastian die Begabung in die Wiege gelegt worden: Nicht weniger als 75 bedeutende Musiker brachte die Großfamilie in drei Jahrhunderten hervor. Johann Ambrosius, sein Vater, war „Stadtpfeifer“ in Erfurt und später in Eisenach. Hier lernte der junge Johann Sebastian an der gleichen St.-Georgen-Schule lesen und schreiben, die 200 Jahre zuvor Martin Luther besucht hatte. Wie dieser fiel Bach durch seinen Gesang auf.
Kündigung mit Folgen
Nach dem Tod von Mutter und Vater kam der Zehnjährige in das Haus seines Bruders Johann Christoph. Dieser, Organist an der Michaelis-Kirche im thüringischen Ohrdruf, nahm sich der musikalischen Fortbildung seines jüngeren Bruders an, vor allem an Orgel und Cembalo.Gerade 15, musste er nach Lüneburg. Dort suchte der Chor der Michaelis-Schule gegen freie Kost und Logis sowie Musikunterricht Buben mit guter Stimme. Als sich mit 17 der Stimmbruch einstellte, ging es mit dem Chorgesang zu Ende. Noch im selben Jahr erhielt er seine erste feste Stelle als Organist an der Neuen Kirche von Arnstadt. Doch die Arnstädter waren arg konservativ und konnten mit seiner ausdrucksvollen Fugenkunst wenig anfangen. Noch schlimmer kam es, als er vier Wochen „Bildungsurlaub“ erbat, um ins 420 Kilometer entfernte Lübeck zu gehen. Dort wollte er den berühmten Organisten Buxtehude hören. Als er eigenmächtig auf drei Monate verlängerte, erhielt er die Kündigung. In Arnstadt allerdings hatte Johann Sebastian seine große Liebe gefunden: Maria Barbara Bach, eine Kusine zweiten Grades, die er 1707 heiratete. Erneut auf Arbeitssuche, kam die Familie nach Mühlhausen. Der junge Organist glänzte so grandios an der Orgel, dass die Gemeinde für ihn sogar ein besonders leistungsfähiges Instrument erbauen ließ. Nach neun glücklichen Jahren in Weimar wurde Johann Sebastian 1717 die Kapellmeister-Stelle in Anhalt-Köthen angeboten. Auf die Abwanderungsgelüste „seines“ Bachs reagierte der Weimarer Herzog zunächst ungnädig und verordnete dem „Fahnenflüchtigen“ wochenlangen Hausarrest, bis er ihn doch ziehen ließ.
Mit Anna-Magdalena
Das „Wohltemperierte Klavier“ und die „Brandenburgischen Konzerte“ zählen zu den bekanntesten Werken aus der Köthener Zeit. Diese Jahre hätten ungetrübt glücklich sein können, wäre nicht 1720 Maria Barbara gestorben. Für den Witwer mit sechs Kindern blieb nichts anderes übrig, als wieder schnell zu heiraten. 1721 heiratete er die 20-jährige Anna-Magdalena Wilcke. Trotz der unglücklichen Umstände war es eine Liebesheirat. Anna-Magdalena sorgte liebevoll um die Kinder und schenkte weiteren 13 Töchtern und Söhnen das Leben. Vielleicht war sie es, die den 38-Jährigen bewogen hatte, 1723 noch einmal neu zu beginnen: als Kantor der berühmten Thomas-Schule in Leipzig. Bachs letzte und genialste Schaffensperiode nahm ihren Anfang.
Evangelium in Tönen
Mehr als Worte vermochte die Musik Bachs über alle Konfessionsgrenzen hinweg die Botschaft Jesu zu vermitteln. Schon bald wurde er wegen seiner „musikalischen Predigt“ der „fünfte Evangelist“ genannt. Sich selbst verstand er keineswegs als Genie; seine Erfolge begriff er vielmehr als das Ergebnis von Mühe und Fleiß. Insgesamt schuf er weit über 1000 Werke.Unvollendet blieb nach zehnjähriger Arbeit sein letztes Werk: „Die Kunst der Fuge“. Es bricht mitten im Takt ab – und Sohn Carl Philipp Emanuel schrieb in die Notenlinien: an dieser Stelle ist Johann Sebastian Bach gestorben.