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Frauen-Power im Dorf der Denker

2. Österreichische Frauensynode unter dem Motto „Frauen gestalten Welt“
Ausgabe: 2000/31, Frauensynode
01.08.2000
- Gabriele Eder-Cakl
Bestechend vielfältig und unhierarchisch gestaltete sich die 2. Österreichische Frauensynode. Rund 300 feministisch und religiös interessierte Frauen trafen sich dazu vom 27. bis 30. Juli im Tiroler Alpbach, das als „Dorf der Denker“ bekannt ist.

„Es braucht Räume, wie diese Synode, wo die Verschiedenheit der Frauen zur Sprache kommen darf. Wir lernen mit dieser Verschiedenheit fruchtbar umzugehen und keine Hierarchien daraus zu machen. Darin liegt für mich nach wie vor der revolutionäre Anspruch des Feminismus“, meint Mag. Veronika Prüller-Jagenteufel. Noch nie habe sie bei einer Frauenveranstaltung eine derartige Altersstreuung und Unterschiedlichkeit in der geistigen Herkunft erlebt wie in Alpbach. Die Synodenbeobachterin Prüller-Jagenteufel ist überzeugt: „Die feministische Bewegung ist breiter und bunter geworden. Es gibt die Aktivistinnen einer Frauenorganisation ebenso wie die ehrenamtlichen Frauen einer Pfarre.“

Ein Tag voller Kaffeepausen



Die rund 300 Teilnehmerinnen an der 2. Österreichischen Frauensynode bestachen durch ihre Vielfalt. Die Organisatorinnen des österreichischen Frauenforums feministischer Theologie haben dazu beigetragen, dem Motto „Frauen gestalten Welt“ gerecht zu werden.
Die besten Gespräche entstehen bekanntlich in den Kaffepausen. Vor allem dann, wenn – wie bei der Synode – so viel an Kompetenz im Raum ist. Die Konferenzmethode „Open Space“ unterstützte die Ziele der Frauensynode: Selbstorganisation der Frauen, Vernetzung und Austausch sowie das Heben vorhandener Fähigkeiten und Erfahrungen. Nach zwei Tagen mit Vorträgen schuf die Methode den Raum, die Fragen zu stellen, die unter den Nägeln brennen und Workshops dazu zu starten. Am Samstag wurden über 30 Frauenthemen, zu Wirtschaft und Kirche, von Poltik und Feminismus bis hin zu Tanz, behandelt. Die große Energie an diesem Tag zeugte von der Freude der Frauen. Eines der Ergebnisse ist eine Resolution an die Bundesregierung für eine frauenfreundliche Budgetpolitik und gegen unüberlegte Budgetkürzungen.

Einüben und weitertragen



Für manche Frauen waren zu wenig Resolutionen, für andere ist eine Resolution nur ein weiteres Papier für die Schubladen der Mächtigen in Kirche und Staat. Ziel der Synode war es, Raum für jedes Anliegen zu schaffen.Veronika Prüller-Jagenteufel: „Die Ausdifferenzierung des Feminismus macht Verständigung nicht unbedingt leichter, aber wir gehen damit um. In unserer Gesellschaft sind Hierarchien nach wie vor gängig. Ein anderes Modell zumindest einzuüben und in den jeweiligen Alltag hineinzutragen, ist auch der Sinn der Synode. Und es ist nicht zufällig, dass dies bei einer Veranstaltung von religiösen Frauen erlebbar wird.“




Interview:




Die Auseinandersetzung mit Gestaltungswillen und Handlungsmöglichkeiten von Frauen in den Bereichen Politik, Ökonomie und Identität standen im Zentrum der Frauensynode in Alpbach. Nährboden für das notwendige widerständige Handeln von Frauen in diesen Bereichen bildet eine ganzheitliche feministische Spiritualität.

Gemeinsam Raum schaffen für Spiritualität




Frau Meyer-Wilmes, Sie sagen, dass jeder Traum einer Frau Quelle feministischer Spiritualität sein kann. Was meinen Sie damit?
Meyer-Wilmes:
In meiner Frauengruppe hat eine Frau einen Traum erzählt. Da ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe, konnte ich sofort etwas damit anfangen.

Ist dann feministische Spiritualität nur ein Erzählen von Erfahrungen?
Meyer-Wilmes:
Das wird nichts werden, wenn nur eine nach der anderen ihren Traum erzählt. Der springende Punkt ist, dass wir einen gemeinsamen Raum schaffen, wo wir diese Erfahrungen mitteilen können. Im Gottesdienst in meiner Gemeinde ist der Raum, die Stimmung und die Offenheit dafür nicht da. In der Frauengruppe verstehen wir uns auf kognitiver wie auf emotionaler Ebene. In der Religion muss das gemeinsame Ganze thematisiert werden. Fehlt dies, wird Religion nur funktionalisiert.

Interview: Gabriele Eder-Cakl

Dr. Hedwig Meyer-Wilmes war eine Vortragende bei der Frauensynode in Alpbach. Sie ist eine der wenigen Universitätsdozentinnen für systematische und feminis-tische Theologie und lehrt an der katholischen Universität Nijmegen/Niederlande.
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