„Ach, was wäre unser Leben ohne Musik!“ schrieb Hermann Hesse. Gemeint ist damit freilich nicht ständige Hintergrundbedröhnung oder Radio-Musikkulisse.
Wenn in der Sommer-Reihe über „Leben einfach genießen“ von Musik die Rede ist, dann geht es nicht um jene alltägliche Berieselung, die nahezu unerträglich in Kaufhäusern oder in den Massenmedien erfolgt. Es geht um die innere Kraft der Musik, die Menschen überleben lässt und die Klang sowie Rhythmus ins Leben bringt. Denn gerade die Urlaubszeit gibt manchen Zeitgenossen Gelegenheit, ihr erlerntes Instrument wieder zur Hand zu nehmen. Andere gönnen sich einen Konzertabend oder lehnen sich bei einem Konzert aus der Konserve in den eigenen vier Wänden bequem zurück.
In ihrem Aufsatz „Die Aufgabe der Musik in der Gesellschaft von heute“ berichtet die deutsche Schriftstellerin Luise Rinser von einem koreanischen Häftling, der in der Todeszelle innere Musik hörte. Inmitten tiefsten Elends erfuhr er die Harmonie der Welt. In Sarajevo wurden während der Kriegsjahre trotz Granaten und Scharfschützen regelmäßig Konzerte veranstaltet. Wir Menschen sprechen an auf die Kunst der Töne, den Klang der Instrumente, den Takt der Werke.
Es soll hier keine Stilrichtung bevorzugt behandelt werden, obwohl die vorgeburtliche Medizin herausgefunden haben will, dass ungeborene Kinder besonders stark auf klassische Musik reagieren. Jakob Burghardt, Schweizer Philosoph, hat eine eigene Theorie: „Wenn sie im Himmel Feste feiern, spielen sie Bach. Wenn der liebe Gott allein ist, hört er Mozart.“Klassik, Volksmusik oder Pop – entscheidend ist, dass ich mich als Zuhörende/r der Musik öffne und in sie hineinversetze. Die beste Art des Sich-Hineinversetzens (für manche ebenfalls ein Urlaubsvergnügen) ist der Tanz. Von Augustinus stammt der Satz „Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen“. Auch ein irischer Segen wünscht: „Mögest du mit allen Heiligen im Himmel tanzen!“ Schon Jesus klagte übrigens über mangelnde Tanzbereitschaft (Mt 11, 16): „Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Sie gleicht Kindern, die andern Kindern zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte gespielt und ihr habt nicht getanzt!“