von Ruth Berger-Holzknecht, Religionslehrerin (in Karenz), lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Lingenau im Bregenzerwald.
Ausgabe: 2000/31, Kommentar
01.08.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Die Jüngerinnen und Jünger, die mit Jesus unterwegs sind, haben mit ihm schon einiges erlebt. In der Mitte des Markusevangeliums rücken sie stärker in den Mittelpunkt. Diese Frauen und Männer stoßen durch Jesus immer wieder auf Neues und Unverständliches. Beim Lesen des heutigen Evangeliums fallen mir drei Tätigkeiten ein, von denen die ersten beiden zunächst recht alltäglich scheinen: schauen, hören und Zeugnis geben.
Jesus zieht sich mit drei seiner Jünger zurück und führt sie auf einen Berg. Dort erleben diese durch die Verklärung Jesu, dass sein Platz nicht nur in dieser Welt ist. Neben Jesus schauen sie mit Elija und Mose zwei Gestalten des Ersten Testamentes. Es scheint, als solle auf dem Berg, in der größeren Nähe zu Gott, der rote Faden des begleitenden Gottes für die immer noch unsicheren und zweifelnden Jünger erfahrbar werden. Petrus ist gleich voller Tatendrang. Er möchte das, was er sieht, festhalten, er will Bleibendes schaffen. Doch auf seinen Vorschlag wird nicht eingegangen. Im Gegenteil – das Ereignis der Verklärung ist noch nicht zu Ende. Zum Schauen kommt nun das Hören hinzu. Die Stimme, die wir aus dem ersten Kapitel des Markusevangeliums bereits kennen, spricht zu den Jüngern mit Worten, die einigen von ihnen schon vertraut sind. Auf den geliebten Sohn Gottes sollen sie hören. Dann scheint alles wieder wie vorher zu sein. Beim Hinabsteigen verbietet Jesus den Jüngern, über das Gesehene und Gehörte mit anderen zu reden. Erst wenn die Zeit gekommen ist, sollen sie davon Zeugnis geben. Nachdem wir heute im Evangelium von diesem Ereignis lesen können, haben sie Zeugnis gegeben.
Schauen, hören und Zeugnis geben – wenn ich mich in die Nachfolge Jesu stelle, gilt dieses Tun auch für mich. Schauen und hören, das ist mir recht vertraut. Es gelingt mir manchmal sehr gut, manchmal nur recht und schlecht, aufmerksam zu sehen, wer, was mich umgibt, oder zu hören – auf Menschen, auf Geräusche oder in die Stille zu hören.Hin und wieder sind mir „Verklärungsmomente“ geschenkt. Augenblicke, in denen ich Erlebtes in einem anderen Licht wahrnehme. Augenblicke, in denen ich Gott deutlich als treue Begleiterin, als aufmerksamen Weggefährten spüre.Solche Erfahrungen ermutigen mich, Zeugnis zu geben. Sie ermutigen mich, ab und zu auch aus-drücklich etwas von unserem menschenfreundlichen Gott zu erzählen, um so den roten Faden der Gegenwart Gottes nicht abreißen zu lassen … und ich ahne besonders darin eine Verwandtschaft zwischen den Jüngerinnen und Jüngern und mir.