Sie steht im Hintergrund, aber nicht im Schatten: Annemarie Fenzl, Historikerin und Archivarin der Erzdiözese Wien, ist seit 1985 Sekretärin von Kardinal Franz König. „Er betet viel, vergisst nichts, ist sehr konzentriert, sehr diszipliniert in der Lebensführung, von feiner Rücksichtnahme und großer Herzensbildung“, sagt Dr. Annemarie Fenzl über ihren „Chef“. Seit Kardinal Franz König in den Ruhestand getreten ist, ist noch mehr Bewegung in ihr Leben gekommen. Schon vor Königs Rücktritt zählte die Historikerin, deren wissenschaftliche Vorliebe heute dem Verhältnis von Juden und Christen gilt, zum engsten Mitarbeiterkreis des Wiener Erzbischofs. Allmählich übernahm sie auch „gewöhnliche“ Sekretariatsarbeiten. Einziger Unterschied: Fenzl arbeitet mit historischer Akribie. Sie dokumentiert Stenogramme und Entwürfe und liefert so den Nachweis, dass Reden und Texte die Handschrift des Kardinals tragen.
Was Annemarie Fenzl aus der Zusammenarbeit mit dem Kardinal gelernt hat? „Ich bin eher ein impulsiver Typ“, meint sie. Und fügt hinzu: „Ich habe gelernt, Menschen vorurteilsfrei zu begegnen.“ Wie das geht, hat sie etwa bei den Begegnungen Kardinal Königs mit höchsten Repräsentanten des Islam in Ägypten erfahren. „Und ich lerne immer noch.“ Zumindest in der Zusammenarbeit mit Kardinal König wird es so schnell keine Lernpausen geben. Jeden Sonntag bis Ende Dezember stehen Termine mit dem 95-Jährigen im Kalender. Termine mit Vorbehalt, denn der Kardinal sagt immer: „Wenn ich dann noch lebe.“