60.000 Menschen aus aller Welt sind im Heiligen Jahr in Rom im Einsatz
Ausgabe: 2000/32, Weltjugendtreffen, Rom, Heiliges Jahr
08.08.2000
- Walter Achleitner
Ob am Bahnhof, auf dem Petersplatz oder bei den Heiligen Pforten. Auf Schritt und Tritt begegnet man in Rom Menschen, die blaue Kappen und blaue Umhänge tragen mit der Aufschrift: Freiwilliger des Jubiläums.
Knapp drei Wochen war Johannes Paetzold in Rom, und die Zeit ist für ihn wie im Flug vergangen. Dabei war der angehende Sonderschullehrer aus dem norddeutschen Oldenburg nicht zum Freizeitspaß in der Ewigen Stadt. Als einer von rund 60.000 Freiwilligen, die sich aus aller Welt gemeldet hatten, stand er 20 Tage im Dienste des Jubiläums in Rom. Mit blauer Kappe und blauem Umhang – Aufschrift „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen“ – gekleidet, war er täglich fünf Stunden im Dienst. Dafür zu sorgen, dass es in den für das Gebet reservierten Räumen still bleibt, zählte genauso zu seinen Aufgaben, wie Ratsuchenden am Bahnhof zu helfen. Zehn Tage war der Freiwillige rund um die Lateran-Basilika im Einsatz. „Ich bin auch hinter der Heiligen Pforte gestanden und musste darauf achten, dass niemand durch diese Türe das Gotteshaus wieder verlässt“, erzählt er schmunzelnd. Auch wenn er manchmal den Eindruck gehabt hat, dass sein Einsatz leicht durch eine Hinweistafel ersetzt werden hätte können, so kann der 26-Jährige diesen Stunden rückblickend auch Positives abgewinnen: „Hinweistafeln können aber nicht sprechen. Und oft haben sich durch einfachste Auskünfte interessante Gespräche ergeben.“ Ein Sprachproblem hat sich für ihn dabei nicht wirklich ergeben. Mit anderen zu Hilfe kommenden Freiwilligen oder mit der Zeichensprache hat es immer bestens geklappt.
Nebeneffekte
Von Schulkindern bis zu Senioren, jede Altersgruppe ist im Heiligen Jahr im Einsatz. Auch diese Erfahrung möchte Paetzold nicht missen. Respektvoll erzählt er von Susan, einer Mittfünfzigerin aus Los Angeles (USA): „Sie war noch nie in Europa und hat sich alleine als Freiwillige gemeldet. Dazu gehört ordentlich viel Mut!“ Neben den vielen Begegnungen mit der Weltkirche hatten die 20 Tage noch andere positive Nebeneffekte: Die Unterkunft, in einer Kaserne für Marinesoldaten, und die Verpflegung, mit Gutscheinen im Wert von rund 160 Schilling pro Tag, waren frei. Und mit dem Gratisticket für die öffentlichen Verkehrsmittel konnte er zu so mancher Entdeckung in der Tiberstadt aufbrechen.
Waschanlage rückwärts
„Im Lauf der Zeit ist mir einiges verständlicher geworden, was sich im Heiligen Jahr hier in Rom ereignet“, fasst Johannes Paetzold seine Eindrücke zusammen. „Vor allem eine Erfahrung hat mir die Augen geöffnet: zu erleben, wie wichtig diese heiligen Orte den Pilgern sind. Wie sehr ihnen diese Besuche unter die Haut gehen“, erzählt der 26-Jährige. Dass es aber Unglück bringen soll, durch die Heilige Pforte wieder hinauszugehen, habe er lange nicht verstanden. Als er wieder einmal in der Lateran-Basilika darauf achtete, dass niemand ins Unglück rennt, habe ihm ein Freiwilliger aus Italien einleuchtend erklärt: „Das wäre so, wie rückwärts durch die Autowaschanlage zu fahren.“
Hintergrund
Weltjugend in Rom
Das wohl größte Großereignis des Heiligen Jahres wird am 15. August in Rom beginnen. Von da an werden, so hoffen es die Organisatoren des 15. Katholischen Weltjugendtreffens, 1,5 Millionen Jugendliche sich aus dem gesamten Erdkreis in der Ewigen Stadt treffen. Vor der Lateran-Basilika begrüßt Johannes Paul II. ab 18 Uhr alle italienischen Jugendlichen, ehe er zum Petersplatz fährt, wo auf ihn die Teilnehmer aus 159 Nationen warten werden. An den Vormittagen sind alle in verschiedenen Sprachgruppen zu Katechesen geladen, die Bischöfe halten. Für die Nachmittage sind interkulturelle Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen, in Parks, Kirchen und Sportstätten vorgesehen. Ein Kreuzweg durch Rom ist für Freitag geplant. Um die Elemente der „Jubiläumspilgerfahrt“ – Durchschreiten der Heilige Pforte im Petersdom, Besuch am Grab des hl. Petrus und das Beten des Glaubensbekenntnisses – allen zu ermöglichen, werden drei Gruppen gebildet. Jede wird zwischen 16. und 18. August diesen Pilgerweg gehen, der von der Via della Conciliazione in die Vatikanbasilika führt. Höhepunkte mit dem Papst sind am 19. August eine abendliche Gebetswache und tags darauf der Schlussgottesdienst, an dem 650 Kardinäle und Bischöfe teilnehmen. Beides findet vor den Toren Roms statt. Um Parkplatz für 20.000 Reisebusse zu schaffen, wird ab 18. August ein Abschnitt der Autobahn Rom-Neapel komplett gesperrt. An 300 Stellen zur Essensausgabe werden 1200 Angestellte und 5000 Freiwillige für die Verpflegung der Teilnehmer sorgen. Auf dem Speiseplan steht „italienische Küche“ auf Pasta-Basis.