Elija, einer der bekannten Propheten, von denen uns das Erste Testament berichtet, lässt sich ganz von Gott in den Dienst nehmen. In den voran-gegangenen Kapiteln erfahren wir, wie er als Prophet lebt und was es heißt, sich ganz in Gott zu verwurzeln. Elija erlebte viele schwere Stunden, er musste zusehen, wie das Volk fremden Göttern opferte, wie Menschen vom Tod bedroht wurden und er gab selbst den Befehl, die Baalpriester ermorden zu lassen. Elija erfuhr aber auch immer wieder Beglückendes, etwa wenn ihn die Witwe von Sarepta aufnahm, wenn er als Prophet zeigen konnte, dass JHWH der Gott ist. Im heutigen Text scheint der Propheten jedoch überfordert von all dem, was ihm widerfahren ist. Nach allem was er getan hat, wundert es nicht, dass auch er mit dem Leben bezahlen soll. Elija macht sich auf, er geht weg, um sein Leben zu retten.
Der zuerst so starke und mutige Prophet verliert alle Kraft. Jetzt wünscht er sich den Tod. Elija ist am Ende, er sieht keine Hoffnung und keine Zukunft mehr. Trotzdem legt sich Elija unter den Ginsterstrauch, der ihm Schatten spendet und damit Überleben ermöglicht, und führt dort sein vermeintlich letztes Gespräch mit Gott. Dann schläft er ein. Ein Engel rührt ihn an und versorgt ihn mit Brot und Wasser. Für Elija scheint das Erscheinen des Engels nicht verwunderlich, er isst, trinkt und legt sich wieder nieder. Sein Lebenswille ist immer noch gebrochen. Doch Gott lässt nicht locker. Wiederum wird Elija angerührt und er versteht. Er scheint wieder der alte, kraftvolle und auf Gott vertrauende Prophet zu sein. Am Ende dieses Stück Weges wird ihm eine berührende Gotteserfahrung geschenkt.
Elija ist für mich ein sehr „erdiger“ Prophet, einer, der mit beiden Füßen in der Welt steht. Das Verbundensein mit Gott ist für ihn selbstverständlich – es bewahrt ihn nicht davor, Fehler zu machen, aber er weiß sich dennoch von diesem Gott bedingungslos geliebt und gehalten. Das gibt ihm Kraft – Kraft zum Leben, zum Weitergehen und zum Loslassen. Elija ist auch ein Prophet, der die göttlichen Boten wahrnimmt und ihre Hilfe annehmen kann. Auch wenn ich nicht mit Elija tauschen möchte, merke ich, dass er mir sympathisch ist, weil ihm in seinem Leben einiges gelungen ist:
Ich wünsche mir das wache Herz des Elija, das die sanfte Berührung des Engels wahrnimmt. Ich wünsche mir die selbstverständliche Nähe Gottes, die Elija in jeder Situation seines Lebens mit diesem Gott rechnen lässt, auch und gerade in Zeiten der Krise und der Not.