Zwischen Inn und Donau werden Tod, Himmel und Hölle ausgestellt
Ausgabe: 2000/33, Passau, Apokalypse
16.08.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Reinhard Kriechbaum
Der Weltuntergang ist Thema der Menschengeschichte. Die Ausstellung in Passau zeigt, welche Antworten darauf über die Jahrhunderte gefunden wurden. In dem 1719 illustrierten Buch aus dem oberösterreichischen Stift Schlierbach wird das Totenreich schön „inszeniert“: eine höfische Szene, aber auf dem Thron sitzt ein Skelett mit Krone. Auch die Puderperücken der Hofräte sitzen auf Totenköpfen, ebenso Papstkrone und Bischofshut.Im Barock hat man sich besonders anschauliche Bilder gemacht von Tod und Jenseits. Wer die Passauer Feste Oberhaus betritt, sieht sich erst einmal Knochenmännern gegenüber, die schwungvoll die Sense führen. Die Vorstellungen von Tod, Jüngstem Gericht und Jenseits haben die Menschen zu jeder Zeit bewegt. Kriege, Naturkatastrophen, rätselhafte Erscheinungen wie Sonnenfinsternisse und dergleichen haben der Fantasie immer wieder auf die Sprünge geholfen und wurden als apokalyptische Vorzeichen des herannahenden Weltendes gedeutet.WartehäuschenWie ist das überhaupt, wenn man stirbt und das Jüngste Gericht auf sich warten lässt? Sind die Wartehäuschen vor Himmel, Hölle und Fegefeuer nicht längst überfüllt? Mit einer Warteschlange der guten Seelen vor dem Himmelstor mochten sich die Menschen im Mittelalter nicht recht anfreunden, und so haben Theologen die Lehre vom „Partikulargericht“ entwickelt: Sie besagt, dass jeder einzelne Mensch sofort nach seinem Tod gerichtet wird, die Seele erreicht sofort den ihr bestimmten Platz im Jenseits. Nach der Auferstehung und Wiedervereinigung von Körper und Seele ist der Gang vors Jüngste Gericht fällig. Dieses stellte man sich gleichsam als zweite Instanz vor, wo die Ersturteile bestätigt würden. Lohn oder Strafe träfen ab dann nicht nur die Seele, sondern den ganzen Menschen. Günstiges SchicksalFromme Stiftungen wurden zum Beispiel als Mittel zur Jenseits-Fürsorge angesehen. Kaum eine Kirche, in der nicht Darstellungen die himmlischen Freuden, aber auch die Qualen in Hölle und Fegefeuer vermitteln. Da kratzt zum Beispiel ein Teufel die Geige, was den rundum Schmorenden sichtlich keinen Ohrengenuss vermittelt. Es stinkt so sehr in der Hölle, dass sich sogar einer der Teufel die Nase zuhält.Der „Teufel im Glas“ ist eigenwillig: eine schwarze Bleifigur, die in ein zum Prisma geschliffenes Glas eingeschmolzen ist. Mit seinen sieben Zentimetern ist es wohl eine Skurrilität aus einer Kunst- und Wunderkammer. Apokalyptische Vorstellungen in anderen Dimensionen: Der Wiener Maler Ernst Fuchs, ein Vertreter des Phantastischen Realismus, hat Visionen quadratmeterweise und in buntesten Farben auf Leinwand gebracht. Falsche ProphetenAusgiebig werden aber auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorbedingungen für die jeweiligen Jenseitsperspektiven aufgeschlüsselt. Ausschweifungen des katholischen Klerus wurden als Gründe für vermeintliche „Gottesstrafen“ angesehen und führten zu innerkirchlichen Reformbewegungen. Wohlmeinende Mahner von falschen Propheten zu unterscheiden, erwies sich in jeder Zeit als schwierig. Nostradamus ist wohl der berühmteste Seher: Er hüllte seine reichlich nebulosen Prophezeiungen in ein unklares Sprachenmix.
Zwischen Süd und Nord
Das Thema endzeitlicher Vorstellungen und Erwartungen wird in den Museumsräumen oberhalb der Stadt Passau aufs Vielschichtigste aufgeschlüsselt: Von der Todes-Ikonographie bis zu Arnold Schwarzeneggers „Terminator“.Denn das Publikum in den Kinos wird kaum darüber nachdenken, dass die Drehbuchautoren des „Terminators“ Motive aus der Apokalypse des Johannes entlehnt haben: Dort ist vom Kampf der Himmelsfrau mit dem siebenköpfigen Drachen die Rede – im Film heißt die Mutter des „Terminators“ Sarah Connor und wird von einem scheinbar unzerstörbaren Roboter in Menschengestalt bis in die Wüste verfolgt.Der Katalog zu „Apokalypse – zwischen Himmel und Hölle“ enthält neben detaillierten Beschreibungen zu den Schaustücken grundsätzliche Aufsätze über die Offenbarung des Johannes und ihre theologische Deutung, aber auch eine anschauliche Darstellung über die Bildwelten apokalyptischer Vorstellungen in der Kunstgeschichte. Nicht zuletzt vermittelt die Schau, dass die Angst vor dem Kommenden auch heutzu-tage zu manch absurden Auswüchsen führt. Nicht nur unsere Ahnen sind selbsternannten „Propheten“ aufgesessen. Jahrtausendwende-Hysterie, Massenselbstmorde von Sektenmitgliedern sind nur zwei Stichworte zu gegenwärtigem Apokalypse-Irrglauben.
Die gemeinsame Ausstellung des städtischen Oberhausmuseums und der Diözese Passau ist noch bis 29. Oktober auf der Passauer Feste geöffnet. Information: 00 49/8 51/49 33 50, oder im Internet unter: www.oberhausmuseum.de
15 Eintrittskarten für diese Ausstellung zu gewinnen! Welchem Buch der Bibel sind Motive für den Film „Terminator“ entnommen? Schicken Sie Ihre Antwort bis 28. 8. an: Linzer Kirchenzeitung, Kapuzinerstr. 84, 4020 Linz, der mailen Sie: kirchenzeitung.ooe@dioezese-linz.at