Serie: Die Kunst, das Leben einfach zu genießen (8)
Ausgabe: 2000/33, Wasser
16.08.2000
- Martin Kranzl-Greinecker
Wasser ist das Ur-Element des Lebens. Zur Ferienzeit kommt dem nassen Element besondere Bedeutung zu: entweder, weil der Sommer viel zu verregnet ist oder aber als erfrischende Abkühlung.
H20, wie die Chemie das Wasser bezeichnet, ist für unseren Planeten eine Schicksalsformel. Einerseits haben Grundwasser, Meere und Flüsse unendliche Qual durch Verschmutzung und Geringschätzung zu erleiden. Andererseits ist sauberes Wasser ein knapper Schatz, um den schon heute und künftig noch mehr Krieg geführt wird. Über die biologische Bedeutung hinaus kommen dem Wasser aber viele Bedeutungen zu, die sich von der Ernährung über die Reinigung, Heilung und Erholung bis zur religiösen Bedeutung (etwa Tauf- oder Weihwasser) erstrecken.Zu den vertrautesten Urlaubsbildern gehört die Abkühlung im Teich oder Schwimmbad, wenn die Sonne brennt. Schwimmen und Tauchen wecken in jedem Menschen unbewusste Ur-Erinnerungen an die Zeit vor der eigenen Geburt, als wir von Flüssigkeit umgeben waren. In fast allen Kulturen spielen Bäder seit Jahrtausenden eine große Rolle – als entspannende, kosmetische, therapeutische oder rituelle Orte. Andere lieben die Fortbewegung auf dem Wasser, es muss ja nicht gleich Kreuzfahrtsdampfer oder Hochseejacht sein. Schiffe auf heimischen Seen oder Flüssen reichen aus, um den Wellengang zu genießen. Ein besonderes Naheverhältnis zum Wasser haben auch jene, deren Liebe dem Fischen gilt. Was könnte ruhiger und stressfreier sein? In einem Gebet vergleichen brasilianische Amazonas-Indianer den Menschen mit dem Wasser, wenn sie darin beispielsweise beten: „Ich will sein wie das Wasser, das überall Leben und Fruchtbarkeit bringt. Wie Wasser, das jeden Schmutz abwäscht und Hoffnung gibt. Wie Wasser, das der Richtung folgt, die Gott ihm wies. Ich will sein wie Wasser, das in Verbindung steht mit dem Meer und das uns lehrt, alle anzunehmen als Geschwister.“ Wenn ich mich dem Element Wasser bewusst aussetze, einen Schluck bewusst trinke, mich bewusst damit bekreuzige, dann werde ich das Leben neu spüren. Selbst wenn ich meine, mit allen Wassern gewaschen zu sein. Im Wasser kann ich Kraft und Ruhe zugleich erfahren. So wie es das irische Segenswort ausdrückt: „Tiefen Frieden im Rauschen der Wellen wünsche ich Dir.“