Sie waren am Bauernhof des von den Nazis enteigneten Stiftes tätig
Ausgabe: 2000/33, Wilhering, Zwangsarbeiter
16.08.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Wie berichtet stellen alleStifte und Klöster Österreichs derzeit Nachforschungen über eventuell während der NS-Zeit beschäftigte Zwangsarbeiter/ innen an.
P. Gabriel Weinberger (70), früherer Abt und jetzt Wirtschaftsdirektor des Stiftes Wilhering, stieß kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe der Kirchenzeitung auf klare Hinweise, dass es im landwirtschaftlichen Betrieb des Stifts polnische „Gesindekräfte“ und französische Kriegsgefangene gab. Er möchte, dass die Sache ans Licht gebracht wird.Das gesamte Vermögen des Stiftes Wilhering wurde Ende 1940 von der Gestapo beschlagnahmt. Die Patres mussten das Haus verlassen, der Abt wurde verhaftet (und starb zwei Jahre später in der Haft), einige Mitbrüder kamen ins KZ, andere zur Wehrmacht. Die NSDAP richtete im Stift Schul- und Wohnräume ein. Der landwirtschaftliche Betrieb des Stiftes aber wurde bis Kriegsende von P. Ludwig Schaubmayr als Gutsverwalter geführt. Beim Studium seiner Korrespondenz tauchten nun zwei mit „Heil Hitler“ gezeichnete Briefe auf, die eindeutig von zwangsverpflichteten Arbeitskräften sprechen. So beklagte sich P. Schaubmayr im Jänner 1941 beim Linzer Arbeitsamt, über das schlechte Verhalten der polnischen Bediensteten Julia Oliszanska und ihres Geliebten Julian Stomiany. Beigelegt war ein Antrag um neue Arbeitskräfte. Ein Jahr später ersuchte der Verwalter schriftlich um „Umvermittlung“ der kriegsgefangenen Franzosen Ferdinand Kerneur und Henri Rogeon in das Arbeitslager Kürnberg bei Leonding, weil „Intimitäten mit Volksgenossinen bemerkt wurden“ und weil sie mit der Kost unzufrieden waren.