Vielleicht geht es Ihnen manchmal mit diesem Jesus wie einigen seiner Jünger und Jüngerinnen damals – was Jesus sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? Wer kann heute anhören, was Jesus redet in einer Zeit, in der es so viel Not und Elend, Kriege und Verwirrung gibt. In einer Zeit, in der beinahe täglich neue „Götter“ auftauchen, die zur Nachfolge aufrufen, wenn wir ihnen Gehör schenken? Im Text des heutigen Evangeliums wird uns von Menschen berichtet, die mit Jesus unterwegs waren, die aber trotzdem mit seinen Reden nichts – oder nichts mehr – anfangen konnten. Die Verbindung zwischen Himmel und Erde, die Jesus darstellt, war für diese Menschen nicht sichtbar. Sie verließen Jesus.
Jesus ist es nicht egal, wie es den Menschen geht, die mit ihm unterwegs sind. Er kümmert sich um die, die ihm einen Platz in ihrem Leben gegeben haben, er kümmert sich solange um sie, solange die Menschen es wünschen – und Jesus hat die Freiheit, die Menschen loszulassen. Hier zeigt sich sehr deutlich, dass Jesus nicht aufdringlich ist. Er geht mit seiner Hingabe für uns bis zum Äußersten, selbst sein gewaltsamer Tod kann ihn nicht davon abhalten, für die Menschen da zu sein. In dieser befreienden Liebe ist es ihm auch möglich, die gehen zu lassen, die nicht mehr zu seinen Jüngern und Jüngerinnen zählen wollen. Auch wenn solche Entscheidungen für ihn schmerzlich sind.
Aufgerüttelt durch das Weggehen einiger seiner Weggefährten und -gefährtinnen stellt Jesus seinen engsten Vertrauten mit aller Deutlichkeit die Frage: „Wollt auch ihr weggehen?“ Petrus hat in der Zeit des Zusammenseins mit Jesus erfahren, dass dieser Mensch für ihn Worte des ewigen Lebens hat. Er hat erlebt, dass es für ihn lebensfördernd ist, mit Jesus unterwegs zu sein. In diesem Augenblick, wo Jesus mit seinem Reden und Tun in Frage gestellt wird, antwortet Petrus auf berührende Weise. Er bleibt – und viele andere mit ihm.
Jesus stößt uns oftmals vor den Kopf. Er fordert durch sein Handeln und Reden zur Entscheidung auf, zur Entscheidung für ein erfülltes Leben. Und so kann ich mit Jesus an meiner Seite immer wieder meinen Weg gehen. Mir ist auch nicht bange um die Menschen, die ein Stück ihres Weges mit Jesus unterwegs waren, und die sich dann von ihm losgesagt haben. Ich bin überzeugt, dass Jesus seine Wegbegleitung den Menschen immer wieder anbietet – es liegt an uns, diese neu anzunehmen – und es ist Gnade und Geschenk, mit Gott, mit Jesus unterwegs sein zu können.