In dem von NS-Behörden enteigneten Zisterzienserstift Wilhering waren, wie vergangene Woche berichtet, während des 2. Weltkrieges Zwangsarbeiter beschäftigt. In einer Stellungnahme von Abt Gottfried Hemmelmayr heisst es dazu:
Es waren in den Betrieben des aufgelösten Stiftes sicher Zwangsarbeiter beschäftigt. Es liegen allerdings keine genauen Aufzeichnungen vor und es ist schwer zu beurteilen: Wo geht es um Zwangs- arbeit, wo um ein freiwilliges Arbeitsverhältnis? Da alle wehrfähigen Männer im Krieg waren, mussten auf verschiedenen Wegen Arbeitskräfte gesucht werden. Die Betriebe mussten die vorgeschriebenen Kontingente rechtzeitig abliefern. So standen alle immer unter Druck. Im Wesentlichen dürfte das Betriebsklima menschlich gewesen sein, da es nach Kriegsende keine negative Reaktionen seitens der Zwangsverpflichteten gab.
Keine Kollaboration
Keiner von den Patres des Stiftes, die von der NS-Gauleitung dienstverpflichtet wurden, hat mit den damaligen Machthabern kollaboriert, aber sie haben sich den Umständen entsprechend um ein erträgliches Verhältnis zu ihnen bemüht. Für die NS-Behörde war die Verpflichtung der Patres im Wirtschaftsbereich ja eine Notlösung, weil sie selbst keine geeigneten Leute für die Leitung der Betriebe hatten. Die vier verpflichteten Mitbrüder erfüllten ihre Aufgabe nach besten Kräften – einerseits, weil jeder Widerstand zwecklos war, wohl aber auch in der Hoffnung, dass die Enteignung nicht für immer sein würde und dass ihre Arbeit auch für die Zukunft des Klosters wichtig war.
Das Stift Wilhering kann sicher zu keiner Entschädigung der damals beschäftigten Zwangsarbeiter verpflichtet werden, weil es ja selbst ein Opfer der damaligen Machthaber war. Es war enteignet und erlitt selbst schwere Schäden. Stift Wilhering ist aber bereit, einen freiwilligen Solidarbeitrag zu leisten. Es soll eine versöhnliche Geste gegenüber jenen Leidtragenden sein, die von den damaligen Machthabern zur Zwangsarbeit in unserem Land verpflichtet worden sind.
Zeitgeschichte
Die Frage war nie totgeschwiegen!
Jahrelang hat sich Johann Großruck mit der Geschichte des Stiftes Schlägl während der NS-Zeit beschäftigt. Er weiss um die langwierige Arbeit im Archiv Bescheid. Zu schnelle Antworten auf die jüngst gestellte Frage nach Zwangsarbeitern in Österreichs Stiften hält er für wenig seriös. Für Großruck ist allerdings klar, dass die Stifte diese Frage sicher nie bewusst totgeschwiegen haben. Sie hat sich bisher einfach noch nicht so gestellt. Das Thema Zwangsarbeit ist ein Kapitel in der gesamten NS-Zeit-Aufarbeitung. Was Stift Schlägl betrifft, so ist Großruck sicher, dass jene wenigen Prämonstratenser, die im enteigneten Stift als „Chefs“ der knapp 200 Arbeiter (darunter auch Kriegsgefangene und Ostarbeiter) in Forst- und Landwirtschaft Dienst taten, dass sie nicht mit den Nazis zusammengearbeitet haben. Das Stift zog auch keinen Nutzen aus der Arbeit, der Schaden (z.B. durch Ausbeutung der Wälder) war hingegen enorm. Buchtip: Johann Großruck, Das Stift Schlägl und seine Pfarren im 3. Reich, Edition Kirchen-Zeit-Geschichte 1999
OÖ. Stifte während der NS-Zeit
Engelszell. Das Trappistenstift wurde am 27. 7. 1939 enteignet, 70 der 73 Mönche wurden vertrieben.
Lambach. Beschlagnahme des Stiftes am 3. 7. 1941. Die meisten Benediktiner wurden vertrieben. Ab 21. 11. 1941 war das Stift enteignet und wurde als NSDAP-Schule geführt.
Kremsmünster. Gymnasium und Konvikt wurden am 2. 9. 1939 aufgehoben, das Stift am 4. 4. 1941beschlagnahmt. Fast alle Benediktiner mussten die Abtei verlassen. Am 22. 11. 1941 folgte die Enteignung des Stiftes.
Reichersberg. Die Beschlagnahme des Augustiner-Chorherrenstiftes vom 25. 9. 1940 zum Zweck der Unterbringung von Flüchtlingen wurde rückgängig gemacht, weil eine Luftwaffen-Fliegerschule Platz benötigte. Der Konvent konnte bleiben.
St. Florian. Die Stiftsschulen wurden mit 23. 7. 1939 aufgehoben. Beschlagnahme des Stiftes am 21. 1. 1941 und Verweis fast aller Augustiner-Chorherren. Am 22. 11. 1941 wurde das Stift enteignet.
Schlierbach. Das Zisterzienserstift wurde als einziges oö. Stift nicht beschlagnahmt, es galt als zu arm. Das Stiftsgymnasium war jedoch am 23. 7. 1938 aufgehoben worden. Ein Teil der Mönche ging nach Brasilien.Schlägl. Nachdem bereits ab 1940 unter Druck das Stift zur Einquartierung von Flüchtlingen vermietet wurde, kam es am 29. 4. 1941 zur Beschlagnahme des Stiftes und zur Vertreibung fast aller Prämonstratenser. Zur Enteignung kam es am 22. 11. 1941.
Wilhering. Am 9. 9. 1938 wurde das Stiftsgymnasium, am 16. 11. 1940 das Zisterzienserstift aufgehoben. Fast alle Mönche, sofern nicht schon früher verhaftet, hatten zu gehen. Stiftsenteignung am 22. 11. 1941.Quelle: Österreichs Stifte unter dem Hakenkreuz, 1995