Serie: Die Kunst, das Leben einfach zu genießen (Ende)
Ausgabe: 2000/35, Mensch, Freude
29.08.2000
- Martin Kranzl-Greinecker
Wer das Leben in einer gesunden Form genießen kann, wird Freude spüren. Freude, die tief ins Herz dringt und schwere Momente überwindet.
Zehn Beiträge an dieser Stelle der Kirchenzeitung hatten in den vergangenen Wochen die „Kunst, das Leben einfach zu genießen“ zum Thema. Nicht zufällig wurde gerade die Sommer- und Ferienzeit für diesen Schwerpunkt gewählt. Zu keiner anderen Jahreszeit haben so viele Menschen den tiefen Wunsch sich zu erholen und um fast jeden Preis das Leben zu genießen. Aber um welchen Preis? Dass viele danach „Urlaub vom Urlaub“ benötigen? Dass die Kasse geleert ist und doch das Gefühl zu spüren ist: „Das kann doch nicht alles sein“?Einfache, preisgünstige und für die meisten von uns ohne großen Aufwand mögliche Lebens-Tankstellen übersehen wir gerne. Deshalb hier nochmals im Zeitraffer die Vorschläge, „das Leben einfach zu geniessen“: - (Aus-)Schlafen und Rasten - Gemütlich Kochen, Essen und Trinken - Wandern oder Spazierengehen - Besuche empfangen oder anderen einen Besuch abstatten - Musik machen bzw. hören - Bücher lesen oder sich bewusst für einen Film Zeit nehmen - Baden, Fischen, am Wasser sein - Miteinander Spielen
Wer sich für solche „Genüsse“ Zeit nimmt, wird wahrscheinlich den Rat Jesu an die Apostel „Ruht ein wenig aus“ (Mk 6, 31) besser befolgen, als wenn er sich durch gefährliche Blechlawinen oder in Touristenströmen wälzt. Von Hermann Hesse wird berichtet, dass er einmal beim Blick auf den „Heerzug der neuen Nomaden, der sich Kühler an Kühler staubverhüllt nach Süden wälzte“, eine östliche Weisheit zitierte: „Ruhelos ziehen die Toren dahin, die Grenze der Welt zu erkennen und den Sinn zu finden und begegnen immer nur sich selbst. Der Weise aber bleibt in seiner Kammer und die Welt kommt zu ihm.“ Schon im 5. Jh. meinte Augustinus: „Die Menschen reisen in fremde Länder und staunen über die Höhe der Berge und die Weite des Ozeans. Aber sie gehen ohne Staunen aneinander vorbei.“„Der Mensch ist zur Freude geboren“ (Paul Claudel) – daran wollte diese Artikelreihe erinnern. Auch der Schlussbeitrag schließt mit einem irischen Segenswort, das zugleich als ehrlicher Wunsch an alle Leser/innen gedacht ist: „Möge Gott dein Herz reich machen und dich mit Freude erfüllen!“