Ein älterer Pfarrer sagte mir einmal: „Dass Träume einen Sinn haben sollen, kann ich mir nicht vorstellen … bei dem Unsinn, den ich immer zusammenträume.“ Seine Träume passten so gar nicht in sein Selbstbild hinein, und er beschloss, sie als Unsinn abzutun. Unsere Träume können das geschönte und geglättete Bild, das wir oft von uns selbst haben oder nach außen zu zeigen versuchen, ziemlich erschüttern. Wenn sie die Sprache unserer Seele sind, dann stehen wir vor Rätseln. Woher kommen diese oft aufwühlenden, erschreckenden, aber auch faszinierenden Bilder und Gefühle?
Als ich heuer Urlaub mit einer kleinen Gruppe in Spanien machte, war ich manchmal erschrocken über den Ärger, den meine Mitreisenden gelegentlich bei mir auslösten. Wie konnten mich Kleinigkeiten nur so aufregen! Sind wir unter der Oberfläche des Alltagsbewusstseins im Grunde ganz anders, gar nicht die ruhigen und netten Menschen, die wir gerne wären? Unser Innerstes, unser Herz, ist oft fremdes Land für uns. Wir bemühen uns, gute Menschen, gute Christen zu sein, aber … was nützt alles Bemühen, wenn mein Herz nicht will oder nicht kann?
Wie kann ich damit umgehen, wenn ich scheinbar Fremdes und Dunkles in mir entdecke, wenn mich negative Gefühle überwältigen? Besonders drei Dinge fallen mir ein, die hilfreich sein können:Dem Platz geben, was in mir ist – es nützt nichts, negative oder befremdende Gedanken, Gefühle und Bilder zu verleugnen. Sie sind da und gehören zu mir. Sie wahrnehmen und da sein lassen. Manchmal gelingt es, sie nicht nur zähneknirschend zu akzeptieren, sondern mit Humor zu sehen: So bin ich eben manchmal. Hilfreich kann sein, wenn ich mit jemandem darüber spreche: mit einem Freund, im Gebet, bei der Beichte, im Gespräch mit einem Therapeuten. Ansehen, Akzeptieren (und Mitteilen) verändert! Zweitens: Woran ich mein Herz hänge, das wird mein Herz verändern – Mit was beschäftige ich mich meistens in meinen Gedanken? Welchen Zielen und Werten folge ich? Krass ausgedrückt: Ist es Gott oder der Mammon, dem ich diene. Sind die modernen Götzen Erfolg, Gewinn, Genuss und Lust meine Hauptziele oder sind christliche Werte für mich im Zentrum? Drittens: Darauf vertrauen, dass ich im Innersten gut bin. Die Erfahrung der Mystiker ist immer wieder: Hinter und unter all dem Dunklen und Unerlösten, das in mir ist, wartet das Licht. Im innersten Kern meines Herzens finde ich keinen Dämon, sondern das Göttliche. Dieses Vertrauen kann gelassener, friedvoller und angstfreier machen.