Ausgabe: 2000/35, Adlberger, Glocken, Glockentagung, St. Florian
29.08.2000
- Martin Kranzl-Greinecker
Seit Jahrtausenden gehört die Glocke zu den Errungenschaften menschlicher Kultur. Viele Religionen messen diesem Instrument darüber hinaus religiöse und kultische Bedeutung bei.
Schon vor 5000 Jahren gab es in Asien Glocken, im Christentum werden sie seit dem vierten nachchristlichen Jahrhundert verwendet, berichtet der Glockenreferent der Diözese Linz, Siegfried Adlberger. Seit vielen Jahren beschäftigt sich der gelernte Orgelbauer, der in Heidelberg eine glockenspezifische Ausbildung absolviert hat, mit den bronzenen Instrumenten in den Kirchtürmen. Zweimal jährlich trifft sich Adlberger als Vertreter Österreichs mit anderen Experten im ökumenischen Beratungsausschuss für das deutsche Glockenwesen. Für manche Zeitgenossen sei es unverständlich, so Adlberger, dass die Diözese Linz – neben Graz als einziges Bistum Österreichs übrigens – einen eigenen Glockenreferenten hat. Seine Hauptaufgabe ist die kompetente Beratung von Pfarren in allen Fragen, die Kirchturm und Glocken von Sanierung bis Neuanschaffung betreffen. Obwohl die Gemeinden dafür zu bezahlen haben, hilft er meist mit, die auch finanziell beste Lösung zu finden.„Oft ist es ja so,berichtet Adlberger, dass Glocken einer Pfarre erst dann ins Bewusstsein kommen, wenn irgendetwas damit zu tun ist. Ansonsten kümmern sich die Wenigsten darum.“ Die Anwesenheit und das regelmäßige Läuten der Glocken ist selbstverständlich, mancherorts sogar ein Ärgernis. Ihr Sinn aber, etwa die Einladung zu Gebet und Gottesdienst, wurde weitgehend vergessen.
Glockenkultur neu beleben
Die in unseren Breiten in den letzten Jahrzehnten verlorengegangene Läutekultur wieder ins Bewusstsein zu rücken, war eine Motivation Adlbergers, erstmals in Österreich „Glockentage“ mit internationaler Beteiligung zu veranstalten. Bei der Tagung von 31. August bis 3. September in St. Florian und Linz hängen 160 Experten, Glockenerzeuger und Interessierte Fachspezifisches an die große Glocke. Der sinnvolle Umgang mit Glocken ist ebenso Thema wie die Geläutesanierung, denkmalpflegerische Fragen oder aktuelle Probleme, zum Beispiel die schwingungsdynamische Belastung von Kirchtürmen oder ihre Nutzung für Mobilfunkanlagen.Dass die Tagung gerade im Stift St. Florian und Linz stattfindet, ist kein Zufall. St. Florian beherbergt nicht nur einige der ältesten und wertvollsten Glocken Österreichs, sondern war bis 1972 auch Standort einer Glockengießerei. Und die sieben Glocken des Linzer Maria-Empfängnis-Domes bilden eines der wenigen erhaltenen Großgeläute aus der Zeit um 1900. Wie alle anderen Kirchenglocken klingen sie täglich und wollen das Herz der Menschen erreichen.
Kulturtipp
Klang-Raum
Gleichsam als Übergang von den Internationalen Glocken- tagen zum Brucknerfest 2000 wird am Sonntag, 3.9., um 20 Uhr im Stift St. Florian die Installation „Klang-Raum“ von Otto Ruhsam und Christoph Schaffer eröffnet. Zwanzig Stelen werden in Blockform im Stiftshof aufgestellt, bei Annäherung ertönen Klänge von Mühlviertler Glocken. Beginn des Programms mit einer Glockenkomposition, ab 21.15 Uhr ist ein Glockenguss live zu erleben.Zu begehen ist der Klang-Raum im Stift St. Florian bis 1. Oktober.