Brasiliens katholische Kirche lässt vom 2. bis 7. September eine Volksbefragung zum Problem der Auslandsschulden durchführen. Diese ist zwar rechtlich nicht bindend, die Kirche will damit aber der Bevölkerung den Zusammenhang zwischen Auslandsverschuldung und nationaler Armut deutlich machen. Gleichzeitig soll Druck auf die Regierung ausgeübt werden, sich für eine teilweise Streichung der Auslandschulden einzusetzen und das frei werdende Geld für soziale Verbesserungen einzusetzen. Der Regierung bereitet das Referendum der Bischöfe große Sorgen. Staatspräsident Fernando H. Cardoso und Finanzminister Pedro Malan sollen sogar den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Jaime Chemello, nach Brasilia geladen und ihn gedrängt haben, die Befragung nicht durchzuführen. Vergangene Woche haben die Bischöfe eine Erklärung veröffentlicht, in der sie ihre Unterstützung für die Volksbefragung bekräftigen. „Wir müssen garantieren, dass unsere wirtschaftlichen Ressourcen zur Schaffung eines besseren Lebens für alle genutzt werden.“ Brasilien hat alleine 1999 für Schuldendienst und Rückzahlung 1025 Milliarden Schilling ausgegeben, im Sozialbereich hingegen nur 489 Milliarden. Dennoch sind seit 1994 die Auslandsschulden von 2261 auf 3544 Milliarden Schilling angewachsen.