Das gesamte Kapitel 35 ist eine Schilderung der heiß ersehnten Zeit des Heils: Gott selber wird kommen, und sein Kommen bedeutet auch ein Richten, das Armen und Unterdrückten zur Gerechtigkeit verhilft. „Rache“ im biblischen Sprachgebrauch meint nicht blinde Vergeltung oder irrationalen Zorn. Wenn Gott kommt, wird alles gut, alle Gebrechen und Leiden haben ein Ende. Dies kann im wörtlichen und im übertragenen Sinn verstanden werden: wir Verblendete sehen die Wahrheit, wir Lahmen werden mobil, wir Schwerhörigen hören Gottes Wort … und die gesamte Natur wird blühen und vor Leben strotzen.
Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch erretten. Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf. In der Wüste brechen Quellen hervor, Bäche fließen in der Steppe. Der glühende Sand wird zum Teich und das durstige Land zu sprudelnden Quellen.
2. Lesung Jak 2, 1–5
Arm und Reich in der Kirche – eine Frage zu allen Zeiten. Gott bevorzugt die Reichen und Prominenten nicht, anders als offensichtlich die Gemeinde, die hier ermahnt wird. Haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, frei von jedem Ansehen der Person. Wenn in eure Versammlung ein Mann mit goldenen Ringen und prächtiger Kleidung kommt, und zugleich kommt ein Armer in schmutziger Kleidung, und ihr blickt auf den Mann in der prächtigen Kleidung und sagt: Setz dich hier auf den guten Platz!, und zu dem Armen sagt ihr: Du kannst dort stehen!, oder: Setz dich zu meinen Füßen! – macht ihr dann nicht untereinander Unterschiede und fällt Urteile aufgrund verwerflicher Überlegungen? Hört, meine Geliebten: Hat Gott nicht die Armen in der Welt auserwählt, um sie durch den Glauben reich und zu Erben des Königreiches zu machen, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?