Ausgabe: 2000/37, Versöhnungsfonds, Erzdiözese Wien
12.09.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Die Erzdiözese Wien wird sich am „Versöhnungsfonds“ für Zwangsarbeiter der NS-Zeit mit einem „Solidaritätsbeitrag in angemessener Höhe“ beteiligen. Das kündigte Kardinal Schönborn letzte Woche an. Er wolle damit den Appell der Regierungsbeauftragten Maria Schaumayer unterstützen, die die Kirchen gebeten hat, ein „moralisches Klima zu schaffen, das die Versöhnungsarbeit begünstigt. Die Erhebungen, inwieweit Zwangsarbeiter in kirchlichen Landwirtschaften und Betrieben tätig waren, gestaltet sich äußerst schwierig. Da viele kirchliche Güter und Klöster beschlagnahmt waren, fehlen in den kirchlichen Archiven die entsprechenden Aufzeichnungen. Dazu ist die Frage der Verantwortung oft schwierig zu klären: So etwa war im Stift Wilhering zwar ein Pater Verwalter der Gärnterei, er machte diese Arbeit aber auf Anordung der NS-Behörden, die sämtliche Stiftsbetriebe beschlagnahmt hatten. Derzeit laufen für die Diözesen Wien, Graz, Linz, Innsbruck, Feldkirch und Klagenfurt sowie bei den Männer-Stiften Nachforschungen, ob Zwangsarbeiter in kirchlichen Einrichtungen tätig waren. Schönborn wies in dem Zusammenhang aber auch auf die Opfer der Kirche in der NS-Zeit hin: 742 Priester und Ordensleute waren im Gefängnis, 110 im KZ, 15 wurden hingerichtet, 20 starben im KZ.