Ab Jänner 2001 gilt der Kollektivvertrag für kirchliche Mitarbeiter/innen
Ausgabe: 2000/37, Kollektivvertrag
12.09.2000
- Matthäus Fellinger
Die Diözese Linz stellt Dienst- und Besoldungsrecht sowie die Altersvorsorge auf eine neue Basis.
„Ein guter Wurf“, lobt Gewerkschaftspräsident Fritz Neugebauer den neuen Kollektivvertrag für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im diözesanen Dienst. Der Chef der Gewerkschaft öffentlicher Dienst lobt die „Tugend des sozialen Dialogs“ im Zustandekommen des Kollektivvertrags verwirklicht. „Ich würde mir wünschen, dass diese Qualität des Dialoges auch anderswo zum Tragen käme“, meinte er anlässlich der Unterzeichnung des Vertragswerkes am Montag, 11. September. Auch Präsident Hans Sallmutter von der Gewerkschaft der Privatangestellten würdigt diesen Schritt der Diözese Linz. Es wäre das erste Mal, dass eine Religionsgemeinschaft mit der Gewerkschaft einen solchen Vertrag schließe.
Einfachere Verwaltung
Bischof Maximilian Aichern hob noch einmal die Grundzüge des neuen Kollektivvertrages hervor (die Kirchenzeitung berichtete darüber): „Der neue Kollektivvertrag bringt eine Vereinheitlichung des Dienstrechtes und eine Vereinfachung der Verwaltung.“ Ab 1. Jänner 2001 gelten neue Arbeitszeitbestimmungen, die eine Reduzierung der Arbeitszeit kirchlich Bediensteter auf 37,5 Wochenstunden vorsehen. Bei Laienseelsorger/innen in den Pfarren gilt diese Arbeitszeit im Jahresdurchschnitt, Angestellte in den Ämtern können die Arbeitszeit innerhalb von drei Monaten auf 37,5 Stunden ausgeleichen. Die bisherige Pensionsvorsorge der Diözese wird durch ein Pensionskassenmodell abgelöst. Die Mitarbeiter/innen sollen so auch mit Eigeninitiative ein zweites Pensions-Standbein aufbauen können. Die Personalkosten sollen langfristig gesenkt werden. Neue Mitarbeiter/innen können sich über höhere Einstiegsgehälter als bisher freuen, dafür wird die Einkommenskurve im Lauf des Berufslebens deutlich abgeflacht. Am Ende der „Karriere“ liegt das Gehalt in derselben Verwendungsgruppe nur 46 Prozent über dem Einstiegsgehalt. Bisher lag diese Steigerung bei 126 Prozent. Niemand in der Diözese wird weniger als 15.000,– Schilling brutto verdienen, das höchstmögliche Gehalt liegt bei 45.000,– Schilling.Diözesanökonom Dr. Josef Wöckinger rechnet zwar mit einer Mehrbelastung für das Diözesanbudget in den nächsten Jahren, langfristig sollen mit dem neuen Vertrag die Personalkosten doch deutlich gesenkt werden. Wöckinger verweist auch auf eine verbesserte Familienförderung, wenngleich die Sozialleistungen insgesamt gekürzt werden. Selbst bei knapperen Mitteln könne die Kirche mit dem neuen Vertrag attraktive Arbeitsplätze bieten.
Kritik an Arbeitszeitverkürzung
Vor allem die Verkürzung der Arbeitszeit für Laienmitarbeiter wurde im Vorfeld der Unterzeichnung von einem Teil des Klerus kritisiert. Rund 260 Seelsorger haben auf Initiative von Pfarrer Johann Gmeiner, Grieskirchen, dazu Stellung genommen. „Wenn man sieht, wie viel Zeit wir für die Menschen brauchen würden – wie können wir Seelsorger dann weniger arbeiten wollen?“, heißt es in einem Schreiben Gmeiners an die Priester in der Diözese Linz. Er sieht in der Maßnahme ein „verkehrtes Signal“ und fürchtet einen „Imageverlust“ für die Pastoralassistenten.Diözesanbischof Aichern will die Bedenken ernst nehmen. Es soll eine Strategie gefunden werden, damit Priester nicht allfällige Mehrbelastungen zusätzlich zu tragen haben.