Bischof Stecher zeigt Chancen des Christentum s in der Gesellschaft auf
Ausgabe: 2000/39, Bischof Stecher, Christentum, Gesellschaft
26.09.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Über „Die Defizite unserer Epoche und die Chancen des Christentums“ referierte der Innsbrucker Altbischof Dr. Reinhold Stecher vor über 200 begeisterten Zuhörern in Linz.
Mit einem Vergleich aus der Fotografie beschrieb Stecher ein gravierendes Manko der Gesellschaft: Die Optik ist stets auf Nahaufnahme gestellt. So kann man Spinnenbeine und Staubgefäße auf ein Foto bannen, dabei nimmt man aber in Kauf, dass die Hintergründe verloren gehen. Verhaltensforscher sprechen vom „Momentanismus“ des Menschen, von der Lust am Augenblick, von der Dominanz des unmittelbar Nützlichen, Verwertbaren und Gewinnbringenden. Durch diese Verfallenheit an den Vordergrund des Daseins verliert der Mensch die Sinn stiftenden Zusammenhänge, die für die Stabilisierung der Seele so wichtig sind. An diesem Defizit tue sich für die christliche Botschaft eine große Chance auf, erläutert der Innsbrucker Altbischof: Auch der Glaube lässt so manche Frage offen und muss so manches Dunkel des Lebens in Kauf nehmen, aber wer die Tiefe der christlichen Botschaft erfasst, erfährt einen erhellten Rundhorizont, erfährt dieses letzte – allem Schrecken zum Trotz – Sinn stiftende Glück des Glaubens.
Christliche Existenz bildet für Stecher auch ein Gegengewicht zur verminderten Tragfähigkeit gegenüber den Lasten des Lebens, die ein Charakteristikum der Gesellschaft ist. Weiters hält der Glaube die Dankbarkeit lebendig, ohne die das Zusammenleben unerträglich wird.