Erlebnis für Ichs – ist das die Zukunft des Tourismus?
Ausgabe: 2000/39, Tourismus, Wirtschaftsfaktor,
26.09.2000
- Ernst Gansinger
Tourismus ist der weltweit größte Wirtschaftsfaktor.
1950 gab es nur 15 Länder mit Tourismuswirtschaft, heute sind es mehr als 70 Länder. Große Konkurrenz also für Österreich. Dem Fernweh aber, darauf verwies beim Ischler Umweltkongress der Tourismusforscher Univ.-Prof. Dr. Reinhard Bachleitner von der Uni Salzburg, sind durch Geldknappheit Grenzen gesetzt. Österreich profitiere davon. Auch die wachsende Überalterung bremse die Reiselust. Kurzreisen (Städte, Kultur) nehmen genauso zu wie Wellness-Urlaube. Österreichs Erlebnisparks dagegen seien ungenügend entwickelt.Reinhard Bachleitner zeigte Mega-Trends der Freizeit auf: Die Konjunktur des Erlebnisses und die Konjunktur des Ichs. Der Begriff Freizeit selbst unterliegeeinem Wandel – verstand man früher darunter Sozialzeit, dann Eigenzeit und nunmehr eher Ichzeit.
Die Sport-Trends sind entsprechend: Erlebnisorientierung, Abenteuer und Risiko. Betonung des Körpers als Ort der Ich-Findung, Entstehung extremer Ausdauersportarten mit „Angst-Lust“-Gefühlen als Nervenkitzel; vorher die Angst, dann die Lust. Der Schweizer Doz. Dr. Dominik Siegrist wies darauf hin, dass es einen Markt für Öko-Tourismus gebe. 20 % der Menschen seien ökologisch eingestellt, weitere 30 % teilweise dafür aufgeschlossen. In Europa sind damit ca. 80 Millionen Gäste für öko-touristische Angebote ansprechbar. Doch auch er sagt: Der schöne Gipfel, die Kulturlandschaft reichen nicht aus. Erlebnis muss her!
Die Österreich-Urlauber denken scheinbar (noch) anders: 80 % nennen eine intakte Umwelt und unberührte Natur als wichtiges Entscheidungskriterium bei der Wahl des Urlaubslandes