Tourismus-Kongress regt die aktive Nutzung des Naturkapitals an
Ausgabe: 2000/39, Natur, Tourismus, Wellness,
26.09.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Vieles spreche dafür, dass sich Teile der Landschaftspflege zu einer Trendsportart und zu echten Events entwickeln lassen, meinte Univ.-Dozent Dr. Josef Heringer von der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege Laufen/Salzach beim heurigen Umweltkongress in Bad Ischl.
Etwa 200 Teilnehmer/innen zählte diese Veranstaltung vom 20. bis 22. September. Sie stand unter dem Motto „Naturspektakel oder Sanfter Tourismus“ und nahm sich vor, Perspektiven der Freizeitgesellschaft aufzuzeigen. Dr. Heringer sieht in Natur, Umwelt, Landwirtschaft und Tourismus die Chance, nachhaltig zusammen zu wirken. Der Mensch müsse wieder lernen, seine Sinne auszufahren, um mit Kopf, Herz und Hand ein sinnvolles Leben zu führen. Urlaub und Freizeit geben ihm die Möglichkeit, die Verfremdungen aufzuheben, die der Alltag prägt und ihn um sein selbstbestimmtes Leben bringen. Erlebnis eben.
Fehlender Nervenkitzel
David Zwilling, österreichischer Skiweltmeister von 1974 und nun Freizeit-Unternehmer aus Abtenau, meinte beim Kongress: Viele finden Natur pur nicht cool, weil ihnen der Nervenkitzel fehle. Extremsportarten wie auch traditionelle Massensportarten wie Skifahren auf neuen Geräten (Snowboard, Carving-Ski) könnten diesen Nervenkitzel liefern. In Zukunft werde hier die Nachfrage steigen. Österreichs gut ausgebaute Infrastruktur, etwa die vielen Skilifte, müsste auch im Sommer besser genutzt werden.
STICHWORT:
Naturparke und Wellness
Östereichs 31 Naturparke werden jährlich von etwa vier Millionen Gästen besucht. Das Angebot reicht dabei vom traditionellen Wandern und Wassersport bis zu naturkundlichen Exkursionen und Besuchen bei Biobauernhöfen mit Brotback-Nachmittagen. Österreichs Naturparke, so Franz Handler, Geschäftsführer des Verbandes der Naturparke Österreich, sind eine natürliche Erlebniswelt mit einem attraktiven, freizeittouristischen Angebot von hohem ökologischen Wert. Univ.-Prof. Dr. Josef Steinbach von der Katholischen Universität Eichstätt in Bayern ging bei der Ischler Tagung auf die Wellness-welle ein. Unter Wellness versteht er die Harmonie von Körper, Geist und Seele. Österreichs neue Zentren dieser Sparte sowie die alten Kurorte, denen die Umstellung auf die neuen Angebotsfelder geglückt ist, freuen sich über Wachstumsraten von bis zu 45 %. Traditionelle Kurorte dagegen stagnieren in der Auslastung oder verzeichnen zum Teil dramatische Einbrüche.