- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Markus Himmelbauer
Als Christ soll man ja jeder, jedem und überall Zeugnis für seinen Glauben abgeben, doch wird man meistens nicht darum gefragt. Und dann werden einem die zwei besten Töchter auf der Welt geschenkt und man will ihnen mitgeben, was einem selbst wertvoll ist, Halt gibt und fröhlich macht. Kreuzzeichen und Kerzen gehören dazu, um das Heilige erfahrbar zu machen, gemeinsame Zeiten um den Adventkranz und in der Fastenzeit. Und Lieder, die wir vor dem zu Bett gehen singen und für die wir uns in Kirchen unterwegs Zeit nehmen. Das Tischgebet findet Clara Cäcilia eher als Zumutung – vor dem vollen Teller warten und noch beten müssen, wenn man ohnehin nichts essen und lieber aufstehen und spielen will. In der Kindergruppe hat Clara „Gottes Liebe ist so wunderbar“ gelernt und Bewegungen im Kreis dazu. Und Sofie, kaum dass sie stehen kann, hebt die Hände, dreht sich mit, stahlt uns an und wir alle haben keinen Grund daran zu zweifeln: „Gottes Liebe ist so wunderbar groß!“ Für unterwegs und die Abende haben sich Halleluja-Rufe und Kanons sowie die Refrains aus Taizé bewährt. „Magigak“ sagte Clara zunächst, dann war es „Malifikat“, was wir als „Magnificat“ gesungen haben. Und dann gibt es noch ein langes ruhiges Lied – „Salomalo bimbam“ sagte Clara –, das wir singen bis die Augen zufallen: Bisweilen eher jene der Eltern als die der Kinder. Schalom alejchem malachej hascharet malachej eljon, mi melech malchej hamlachim hakadosch baruch hu. Friede mit euch, Engel des Dienstes, Engel des Höchsten, vom König aller Könige gesandt dem Heiligen, gelobt sei er. … Eure Einkehr sei zum Frieden, Engel des Friedens … Segnet mich zum Frieden … Euer Ausgang sei zum Frieden …Gott selbst beschützt mich und schaut auf unsere Ehe, das war mir immer klar. Die Kinder fallen in die Kompetenz der Schutzengel, die – lange verschmäht – nun wieder an Bedeutung gewonnen haben. Und wenn Sofie im Raum herum deutet und uns etwas zeigen will, scheint sie etwas Wichtiges bemerkt zu haben, das wir Erwachsene nicht mehr sehen können. Ich liebe sie für diese „Hinweise“. Wir haben das Lied von einer Ö1-CD, gesungen vom Oberrabbiner gelernt. Schon einige Male habe ich mir vorgenommen, den Tag mit anderen Gute-Nacht-Liedern zu beschließen. Doch die Begeisterung für dieses ist ungebremst.