Der Geisterfahrer der Vorwoche ist ein Selbstmörder und ein Mörder. Der Ehemann hat seine Frau erstochen, den kleinen Sohn auf der Autobahn ausgesetzt, dann ist er in den Tod gerast. Gewalt pur, das absolute Böse. Der Grund: Beziehungsprobleme.
Wie gehen wir damit um? Ein kurzer Augenblick der Betroffenheit, des Entsetzens, des Mitleids. Dann haben wir wieder vergessen, verdrängt. Die friedliche Idylle, die heile Welt hat uns wieder.
Seit 18 Jahren arbeite ich in der Initiative Frauen helfen Frauen in Innsbruck mit Gewaltopfern, Frauen und Kindern. Ich weiß, dieses Blutverbrechen ist nur die Spitze des Eisberges. Tagtäglich werden Frauen und Kinder Opfer von körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt. Gewalt ist immer Machtmissbrauch und Unterdrückung Schwächerer. Und vor allem: Gewalt ist kein schichtspezifisches Problem. Sie kommt in allen Berufs- und Gesellschaftsschichten vor.
Gott ist die Liebe, die Vergebung, die Barmherzigkeit und Gott ist gegen Gewalt. Er fordert uns im Evangelium dieses Sonntags auf, gegen Gewalt zu handeln – vor allem gegen das Gewaltpotenzial in uns –, Schwächere zu schützen und nicht wegzuschauen.
Um diesem Auftrag des Evangeliums nachzukommen, hat die Initiative Frauen helfen Frauen zusammen mit der Katholischen Frauenbewegung der Diözese Innsbruck und anderen privaten sowie öffentlichen Institutionen die Aktion „Nein zur Gewalt“ gestartet. Diese Vernetzung ist wichtig, um auf breiter Basis zu arbeiten. In vielen Aktionen, Seminaren und Veranstaltungen haben wir das Problem der Gewalt zur Sprache gebracht. Viele Menschen wurden hellhörig – Betroffene aber auch Täter. Auch in ländlichen Gebieten, wo das Thema Gewalt in der Familie noch stärker tabuisiert ist, als im städtischen Raum.
Nur eine Konfliktlösung ohne Gewalt ist eine echte Lösung. Probleme, Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten gehören zu unserem Leben. Deshalb müssen aggressionsfreies Konfliktmanagement von Eltern, Paaren und Jugendlichen, von jedem Mitglied in unserer Kirche und in unserer Gesellschaft erlernt werden. Aber nicht beim Nächsten fordern, sondern bei sich selber anfangen, an sich selber arbeiten, gewaltfrei leben.
Eine Tragödie hätte nicht sein müssen. Ein kleiner Bub hätte noch Vater und Mutter – ein glückliches Zuhause.