Aus der „PÄDAK“ wird die Pädagogische Hochschule der Diözese Linz
Ausgabe: 2000/39, Pädak, Lehrer, Studentinnen,
26.09.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Soll sich die Diözese eine pädagogische Akademie (PÄDAK) leisten und an der „Produktion“ von arbeitslosen Junglehrern mitarbeiten? – PÄDAK-Direktor Dr. Hans Schachl informiert über die Zukunftsperspektiven seiner Student/innen.
„Seit die Aussichten, rasch eine Anstellung als Lehrer zu bekommen so schlecht sind, haben wir noch motiviertere Leute“, streut PÄDAK-Direktor Dr. Hans Schachl seinen Studenten Rosen. Jeder, der wirklich Lehrer werden will, solle die Ausbildung beginnen, aber nicht blauäugig. Schachl stellt unmissverständlich klar: Zum Studium gehört auch die Überlegung, wie man die durchschnittlich vier Jahre an Wartezeit überbrückt, bis man in einer Klasse stehen kann.
Wartezeit als Chance
Die PÄDAK bietet eine breite Palette an Zusatzqualifikationen an. Sie reicht vom „Europäischen Computerführerschein“ über die Religionslehrerausbildung, Zertifikate in Erwachsenenbildung und Deutsch als Fremdsprache bis zum Integrationslehrer. Manche der arbeitslosen Pädagogen begnügen sich nicht mit der Überbrückung und haben den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt: So machen zwei Absolventen Betriebe in der neuen deutschen Rechtschreibung fit und werken als Personalberater. Schachl: „So weh es uns tut, dass unsere Absolventen längere Zeit keinen Job als Lehrer bekommen, für die Schulqualität ist diese Wartezeit nicht das Schlechteste“. Die Erfahrungen, die die Junglehrer in der Wirtschaft und in öffentlichen Institutionen sammeln, sind für das Schulsystem von großem Nutzen. Für die derzeitige Misere zeichnet sich – wenn schon kein baldiges – doch zumindest ein Ende ab. Ab 2006 werden trotz des weiteren Rückgangs der Klassenzahlen wegen der Pensionierungen „starker Lehrerjahrgänge“ hunderte neue Pädagogen gebraucht.
Kirche und Bildunggehören zusammen
Jährlich fünfzehn Millionen Schilling lässt sich die Diözese Linz den Betrieb der PÄDAK kosten. Geld, das gut angelegt ist, so Schachl: Wenn die Kirche den Glauben in den Lebenseinstellungen der Menschen festsetzen will, geht das nicht nur über Predigt, Gottesdienst und Caritas – dann muss die Kirche auch in die Bildung investieren. Bei einem Gesamtbudget von 23 Mio Schilling bringt die PÄDAK selbst 8 Mio Schilling auf (Inskriptionsgebühren, Parkplatzgebühren, Vermietung von Räumen). Dazu kommen Einsparungen, sodass die Kürzung des diözesanen Zuschusses um 8 Millionen Schilling (innerhalb von vier Jahren) aufgefangen werden konnte. Pflichtschullehrer bald Magister oder MasterNach diesem finanziellen Kraftakt steht der PÄDAK eine weitere Herauforderung bevor. Das Gesetz schreibt vor, dass aus allen pädagogischen Akademien Österreichs bis 2007 Pädagogische Hochschulen werden. Für die Diözese Linz heißt das: PÄDAK, Sozialpädagogisches Kolleg, Religionspädagogische Akademie und Religionspädagogisches Institut sollen unter dem Dach „Pädagogische Hochschule der Diözese Linz“ Platz finden. Die Studiendauer wird von drei auf vier Jahre verlängert, die Absolventen sollen mit dem Titel Magister oder Master abschließen. Schachl möchte im Herbst 2002 mit der Hochschule starten. Derzeit seien aber noch viele Rahmenbedingungen vom Staat her ungeklärt.
STICHWORT:
PÄDAK–Zahlen
Im heurigen Studienjahr beginnen 150 Personen die Ausbildung zum Volks- und Hauptschullehrer an der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz, um 19 mehr als im Vorjahr. Insgesamt sind an der PÄDAK über 800 Studenten immatrikuliert. Mehr als 500 davon sind „Lehrer-Studenten“, die Akademielehrgänge (z, B. Informatik) absolvieren.
Studiengebühr
Laut Auskunft des Ministeriums werden von den PÄDAK-Studenten keine Studien-gebühren – wie für die Universitäten geplant – eingehoben.
Wende-jahr 2006
Bis zum Jahr 2005 wird es oberösterreichweit um 362 Volksschulklassen weniger als heute geben, in demselben Zeitraum gehen an die 350 Lehrer in Pension. Zwischen 2006 und 2007 werden 715 Volkschullehrer pensioniert, dem steht ein Rückgang von 259 Klassen gegenüber. Von 2011 bis 2016 gehen 1.135 Volksschullehrer in Pension (Klassenverlust: 57). Bis 2005 werden 467 Hauptschullehrer gebraucht.