Das Klassenzimmer im 21. Jahrhundert – doch kein Horrorszenario .
Ausgabe: 2000/39, Schule, Visionen
26.09.2000
- Maria Haunschmidt
Die Lernkultur ist im Umbruch. Wie verändert sich die Schule im Computerzeitalter? Wie sieht das Klassenzimmer des 21. Jahrhunderts aus?
61 Prozent der österreichischen Schulen haben bereits einen Internetanschluss, in Oberösterreich sind es 98 Prozent. Prognosen zufolge wird jeder Pflichtschüler bei uns spätestens in zehn Jahren über einen Laptop im Klassenzimmer verfügen. Computereinsatz ist in vielen Klassen schon jetzt Standard, aber keine Panik – Tafelkreide und Hefte werden nicht gleich abgeschafft und die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen wird es immer geben. Um „Das Klassenzimmer des 21. Jahrhunderts – Visionen über den Schulalltag von morgen“ ging es bei einer Veranstaltung des Zukunftsforums Oberösterreich der ÖVP in Linz.
Als zusätzliches Angebot
Das Publikumsinteresse – vor allem seitens der Lehrer/innen – war enorm. Für einen Blick über die Landesgrenzen sorgte der Münchner Univ. Prof. für Psychologie und Pädagogik Dr. Heinz Mandl. Seine Position: „Wir brauchen für die Anforderungen der Wissensgesellschaft eine neue Lernkultur, der Computer ist dafür Werkzeug und ,trojanisches Pferd’, aber der Mausklick allein reicht nicht aus. Auch die soziale Kompetenz und Persönlichkeitsbildung werden in der Schule der Zukunft immer wichtiger.“
Lernen soll Spaß machen
Der Einsatz der neuen Technologien braucht verstärkt Kriterien wie selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen, mehr Gruppenarbeit und vernetztes Denken. Lernen soll auch Spaß machen und Emotionen ansprechen. Mandl plädierte für stärkere Öffnung der Schulen, sodass das Lernen noch lebensnaher wird. Nicht nur in eine virtuelle Zukunft, sondern in die schon verwirklichbare Gegenwart entführte die Professorin am Studiengang Software-Engineering an der Fachhochschule Hagenberg, DI Karin Pröll, mit Beispielen vom Distance-Learning. Man kommuniziert per Mausklick über Mikrofone und Kameras, man kann Wissen aufnehmen, sich austauschen und Prüfungen online ablegen. Die Schulfachleute sehen aber keine Sinnhaftigkeit darin, dies in der Form schon bei Kindern, für die das soziale Lernen noch besonders notwendig ist, anzuwenden. Landeshauptmann Dr. Josef Pühringers doppelter Auftrag an die Schule: „Qualifikation und Wissen erhalten ihre Wirkung erst durch Erziehung.” Auch wenn die Zukunft bei den neuen Technologien liege, müsse es in Schulen auch Werteerziehung sowohl im Religionsunterricht – oder alternativ im Ethik-Unterricht – geben als auch übergreifend in jedem Fach. LH Pühringer brach auch eine Lanze für musische Bildung sowie Sport.Trotz Wandels in der Bildungslandschaft werden Lehrer/innen immer gebraucht, ja ihre greifbare Nähe ist bei Schülern erwünscht.
Lehrer als Moderator
Lehrer werden in der neuen Schule allerdings mehr und mehr zum Darsteller und Moderator. Entsprechend wichtiger wird die Lehrerfortbildung. Lehrer müssen es auch aushalten, dass ein Schüler ihnen möglicherweise in Teilwissensbereichen überlegen ist. Der OÖ. Landesschulratspräsident Dr. Johannes Riedl sieht eine Vision u. a. darin, dass Lehrer und Schulen verstärkt partielle Projekte und Programme austauschen und so sinnvollerweise ihre Erfahrungen teilen. Verändern wird sich in der Bildungslandschaft, dass wir mehr als bisher das ganze Leben Lernende sein werden.
Tele-Learning
In die virtuelle Schule – sie ist zum Beispiel in Schweden wegen der großen räumlichen Entfernungen in der Erwachsenenbildung schon sehr verbreitet – führt das Tele-Learning. Der Student konferiert von zu Hause aus mit möglicherweise tausende Kilometer entfernten Kollegen sowie mit dem Lehrer anhand speziell aufbereiteter Lehrinhalte – als visionäre Möglichkeit könnte es den Lehrer auch „virtuell“ als Computerfigur geben.