„Christentum ist ohne Wahrnehmen der Schwachen nicht denkbar“, sagt Mag. Johanna Strasser-Lötsch von der Abteilung Pfarrcaritas der Diözese Linz.
In Linz-Christkönig wurde vor zehn Jahren ein Sozialfonds eingerichtet, um mehr als 70 sozial schwachen Menschen unter die Arme greifen zu können. In Traunkirchen am Traunsee vergibt der zahlenmäßig klein besetzte Caritas-Fachausschuss zinsenlose Darlehen an Bedürftige. Die Pfarre Kirchdorf hat Beratungsstunden eingerichtet. Menschen, die Rat und Hilfe brauchen, finden hier Ansprechpartner. In Grieskirchen wurde von der Pfarrcaritas ein Umschlagplatz geschaffen: Hierher bringen Leute Dinge, die sie übrig haben und andere Menschen brauchen.
Kernaufgabe Caritas
Das sind Beispiele konkreter Pfarrcaritas-Arbeit. Wenn die Pfarrcaritas-Abteilung der Diözese Linz Post verschickt, hat sie in 420 der 480 oö Pfarren Adressaten – Leiter/innen der pfarrlichen Caritas-Fachausschüsse. – Caritas als christliche Kernaufgabe steht damit auf einer breiten organisatorischen Basis. Die Pfarrcaritas-Abteilung begleitet und unterstützt die Menschen in den Caritas-Fachausschüssen. Eine Aufgabe sieht die Diözesanstelle auch darin, die Helfer/innen in den Pfarren sensibel für die Grenzen ihres Helfens zu machen.
Die Leiterin dieser Abteilung Pfarrcaritas, Mag. Johanna Strasser-Lötsch, nennt das Kontakthalten zu den alten und kranken Menschen in der Pfarre als eines der Hauptfelder der Pfarrcaritas-Arbeit. Ein waches Auge für die Not ist ebenso gefordert. Manche Pfarren führen eine Kartei, in die gemeldete Notfälle aufgenommen werden. Haussammler/innen, Nachbarn oder Sprengelhelfer/innen erhalten Kenntnis von mancher sonst verborgener Not und melden dies der Pfarre.
Mit Kritik umgehen
Tatkräftige Hilfe setzt sich immer auch der Kritik aus. Johanna Strasser-Lötsch weiß um diese Sorgen der mindestens 3.000 in den Pfarren der Diözese Linz caritativ tätigen Menschen. Es gibt beispielsweise die Kritik der Selbstgerechtigkeit: „Warum kriegt der etwas, der ist doch selber schuld an seiner Armut ... Der soll einmal was arbeiten ...“ Oder die Kritik der Kälte und des Neids: „Uns wird auch nichts geschenkt!“ Oder die Kritik des Besserwissens: „Immer erhalten die Falschen Unterstützung; es gibt viel ärmere Leute ...“ Helfen ist oft spontan erforderlich, wenn auch Sorgfalt ganz wichtig ist. Die Angst, was falsch zu machen, behindert Hilfe. Wer hilft, erlebt sich mitunter ratlos und er muss sich auch „haarigen“ Entscheidungen stellen. Sich über professionelle Hilfsmöglichkeiten kundig machen, ist eine wichtige Voraussetzung guten Helfens. Ehrenamtliche „Amateur“-Helfer/innen wissen, wohin sie Menschen weitervermitteln können. Ein Gespür für die Gratwanderung entwickeln zwischen Bevormunden und Übersehen, zwischen sich Notleidenden aufdrängen und an der Not vorbeischauen, gehört ebenfalls zur Qualität des Helfens, genauso wie die Diskretion.
Pfarrcaritas
Not hat viele Gesichter
Es gibt keine Not, die nicht Aufgabe für die Pfarrcaritas sein könnte: alte und kranke Menschen besuchen, einkommensschwachen Personen und Familien helfen; Außenseitern einen Platz in der Pfarre geben, pflegende Angehörige stützen, an Einsamkeit und Traurigkeit leidenden Mitmenschen Aufmerksamkeit schenken, Menschen, die sich im Behördenweg nicht zurechtfinden oder ihre Rechte nicht kennen, Unterstützung geben . . . Caritas heißt damit: Anteil nehmen an den Schwächen und Unzulänglichkeiten des anderen, sich von ihm berühren lassen. Es ist auch keine Frage, ob jemand seine Not selbst verschuldet hat oder unverschuldet in Not geriet. Einzig die Tatsache der gegenwärtigen Bedürftigkeit ist Anruf zum sozialen Handeln für Christen. Nachhaltig helfen heißt, die Ursachen von Not und Bedürftigkeit zu sehen und sich für deren Beseitigung einzusetzen. Caritas ist damit immer auch politisch. Helfen heißt außerdem, die Sensibilität für Arme, Bedürftige und Außenseiter in der Gesellschaft zu erhöhen, das Bewußtsein der Geschwisterlichkeit zu stärken und die Toleranz im Umgang mit Menschen, die Hilfe brauchen, zu heben.Die Pfarrcaritas ist eine ausgestreckte Hand; sie stellt keine Vorbedingung, wenn es auch wichtig sein kann, Hilfe an Übereinkünfte zu knüpfen. Und oft geht es nicht so sehr um Geld als um Zeit.
Sozialfonds
Um an Geld zu kommen, das für die Bedürftigen ausgegeben werden kann, gibt es mehrere Möglichkeiten. Drei Quellen hat zum Beispiel die Pfarre Christkönig in Linz: Wie in jeder anderen Pfarre, die sich an der Caritas-Haussammlung beteiligt, verbleiben zehn Prozent des Sammelergebnisses in der Pfarre (90 % werden der Diözesancaritas überwiesen, die damit zentrale Aufgaben – z. B. Behindertenbetreuung – erfüllt). Spenden sind ein zweite Quelle. Und seit Errichtung des Sozialfonds, auf den ein Großteil der Einzahlungen mittels Einziehungsauftrag überwiesen werden, fließt eine dritte Quelle, eine besondere Form der Spenden.Flohmärkte, Bazare, Feste ... – die Pfarren entwickeln großen Einfallsreichtum, um für „ihre“ Armen Geld zu bekommen.