Viele Pfarren haben einen guten Überblick, wer Hilfe brauchen kann
Ausgabe: 2000/40, Sozialwort, Linz-Christkönig
03.10.2000
- Ernst Gansinger
Caritas-Arbeit hat in der Pfarre Linz-Christkönig schon immer einen hohen Stellenwert. Nur die Form hat sich gewandelt.
Reg.-Rat Josef Mayr, der zwischen 1987 und 1997 die Leitung des Fachausschusses Caritas innehatte, erinnert sich an Caritas-Aktionen in der ersten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg: Damals wurden Leute mit Kohlen und Erdäpfeln unterstützt. Noch vor wenigen Jahren erhielten etwa zehn Haushalte im Winter Brennholz. Viele Hausbesuche waren Not-wendig und das Um und Auf der Arbeit von Josef Mayr. Sie galt es weiterzuführen, als der heute 80-jährige sozial engagierte Mann die Arbeit in jüngere Hände legte. Nun kommen die Bedürftigen in die Caritas-Sprechstunde, die von Dr. Eleonore Uhl und Waltraud Wagenhuber vierzehntäglich angeboten wird. Bargeld erhalten allerdings auch jene kaum. Die häufigste Form der Hilfe ist die Übernahme von fälligen Mietraten und ähnlichen mit Exekution bedrohten Außenständen.
Jede Not hat ein eigenes Gesicht. Das Gesicht einer Frau zum Beispiel, die nach Scheidung ins finanzielle Desaster gerät, denn der Mann zahlt kaum. Das Gesicht eines jüngeren Menschen, der auf einem Schuldenberg sitzt. Das Gesicht eines psychisch kranken Menschen, der nur noch bedingt arbeitsfähig ist. Auch das Gesicht von Menschen mit geringem Einkommen, denen schon eine reparaturbedürftige Waschmaschine mehr abfordert, als sie haben, denn zum Sparen blieb nie Geld. Oder das Gesicht eines älteren Arbeiters, der arbeitslos wurde. Oder ... Es können Überbrückungshilfen gegeben werden, oft wird auch an professionelle Einrichtungen vermittelt. Schon vielen wurde unmittelbar oder vermittelnd geholfen.
Sozialfonds
Für die Arbeit des Fachausschusses stehen hauptsächlich die Einnahmen des Sozialfonds zur Verfügung. 1990 ins Leben gerufen, hat er bisher etwa 1,3 Millionen Schilling für die Caritas-Arbeit der Pfarre zur Verfügung stellen können. Ca. 70 Spender/innen zahlen monatlich bis zu 1.000 Schilling ein.
70 Bedürftige
Der Pfarrcaritas in Christkönig sind etwa 70 sozial Bedürftige in der Pfarre – Ausgleichszulagen-Bezieher, kinderreiche Familien und andere – bekannt. Sie erhalten zweimal im Jahr (Weihnachten, Ostern) einen Lebensmittelgutschein.Kranke und alte Menschen werden regelmäßig besucht. Elisabeth Wallner koordiniert diesen Dienst. 39 Besucher/innen kommen alle drei Wochen in die sechs Linzer Krankenhäuser und fünfmal im Jahr in elf Senioren- bzw. Altenheime in Linz und Umgebung, in denen bis zu 250 Pfarrzugehörige leben. Auch zu Hause werden nicht mehr sehr mobile Frauen und Männer besucht. 48 Personen gehen Haussammeln; sie sind auch wichtige Sensoren der Not in der Pfarre. Ihnen machen manche Leute nicht nur die Tür auf, sondern auch ihr Herz, und erzählen ihre Not.
Das Projekt Sozialwort ist eine ökumenische Initiative der 14 christlichen Kirchen unseres Landes, die im Ökumenischen Rat der Kirchen Österreichs zusammenarbeiten. Es sind dies: Die Altkatholische Kirche, die Anglikanische Kirche, die Armenisch-apostolische Kirche, die Bulgarisch-Orthodoxe Kirche, die Evangelische Kirche A. B., die Evangelische Kirche H. B., die Griechisch-Orthodoxe Kirche, die Koptisch-Orthodoxe Kirche, die Methodistenkirche, die Römisch-Katholische Kirche, die Rumänisch-Orthodoxe Kirche, die Serbisch-Orthodoxe Kirche und die Syrisch-Orthodoxe Kirche. Diese vierzehn Kirchen haben sich entschlossen, gemeinsam zu den gesellschaftspolitischen Herausforderungen in Österreich Stellung zu beziehen. Zunächst soll dazu eine breite Erhebung der sozialen Praxis der Kirchen stattfinden. Die Kirchenzeitung bringt in einer kurzen Serie Beispiele dieser sozialen Praxis, um durch das Aufzeigen von Beispielen das Anliegen mitzutragen, viele Gruppen zu motivieren, sich an der Sammelphase zu beteiligen. Die, die sich sozial engagieren, sind ja die Fachleute der Diakonie. Ihre Erfahrungen sind wichtig. Eine breite Beteiligung an der Sammelphase ist daher eine profunde Basis für das kommende Sozialwort, das Kompetenz auszeichnen soll.
- Umfassende Informationen zum Sozialwort gibt es bei: KSÖ, Schottenring 35, 1010 Wien, und auf der Homepage: www.sozialwort.at.