Eine schöne Geschichte … im 21. Jahrhundert im Wohlfahrts- und Konsumstaat Österreich geht es vielen Kindern gut. Erstklassige medizinische Versorgung, ein sehr differenziertes Schulsystem für alle Begabungen, ein vielseitiges Freizeitangebot, das eigene Zimmer, der eigene Computer und Fernseher gehören zum Lebensstandard der jungen Generation, inklusive der coolen Markenklamotten und „Taxi Orange“ im Internet. Sicher – Ausnahmen bestätigen die Regel, aber das Standardkind lebt so. Also ist es glücklich, hat alles, was es sich wünscht und wird von seinen Eltern geliebt und verwöhnt.
Das ist keine schöne Geschichte, die ich Ihnen jetzt erzähle. Es ist die Geschichte von Kindern aus zerbrochenen Familien, von Scheidungswaisen, von Kindern, die zum Spielball der Aggressionen ihrer Eltern werden … von Kindern, die benützt werden, um dem anderen Partner weh zu tun, um Rache zu nehmen, um Vergeltung zu üben für Verletzungen, die Vater und Mutter einander zufügen und ihre Kinder schamlos dazu gebrauchen. Im „Rosenkrieg“ sind alle Mittel recht. Am Kriegsschauplatz der verletzten Gefühle, der gekränkten Eitelkeiten der Eltern bleiben die Kinder sehr oft mit Wunden und Narben liegen wie blutige Soldaten auf dem Schlachtfeld.
In Österreich sowie in allen westlichen Industriegesellschaften ist die Scheidungsrate hoch. Im urbanen Raum wird jede zweite Ehe geschieden, im ländlichen jede dritte, Tendenz steigend. Die Zahl der Lebensgemeinschaften nimmt zu. Lebensgemeinschaften zerbrechen noch häufiger als Ehen, das ist statistisch erwiesen. Lebensgemeinschaften unterliegen ja nicht einmal qualifizierten gesetzlichen Auflösungsbedingungen wie die Ehe. Es geht also schnell und unkompliziert, sich zu trennen, Bindungen aufzugeben, Verantwortung abzuschütteln.
Auf der Strecke bleiben die Kinder. Sie haben Angst, Vater oder Mutter zu verlieren. Sie suchen sehr oft die Schuld für das Scheitern der Beziehung ihrer Eltern bei sich selber. Sie glauben, die Liebe ihrer Eltern durch eigenes Versagen verloren zu haben. Der Lebensstandard spielt auf einmal keine Rolle mehr, die Verzweiflung ist ihnen anzusehen.
Ich habe einmal im Frauenhaus ein kleines Mädchen beten gehört: „Lieber Gott, mach, dass sich Papa und Mama wieder vertragen. Ich will auch immer ganz brav sein.“ Alle diese unglücklichen Kinder empfehle ich der Gnade und Barmherzigkeit Jesu, der sagt: Lasset die Kinder zu mir kommen. Dann nahm er die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie. Herr Jesus Christus, tröste sie und trockne ihre Tränen, lindere ihr Leid.