Ausgabe: 2000/40, Trappisten, Friedwagner, Banja Luka
03.10.2000
- Josef Wallner
Der Linzer Nikolaus Friedwagner lebt seit Jänner in Mariastern, einem Trappistenkloster bei Banja Luka. Wie ganz Bosnien leidet auch die Mönchsgemeinschaft unter den Folgen des Bürgerkrieges.
„Wenn es doch im Land weniger Ängstlichkeit und Misstrauen geben würde“, wünscht sich Nikolaus Friedwagner für das vom Krieg zerrüttete Bosnien: „Das Kloster Mariastern versucht selbst ein gutes Beispiel zu geben und möchte ein Ort des offenen Herzens sein.“ Der Alltag in Banja Luka ist auch sechs Jahre nach dem Friedensschluss von Dayton schwierig, hier schützt keine Klausur. Die siebenköpfige Mönchsgemeinschaft leidet zwar keinen Hunger, könnte aber ohne Spenden nicht leben. Im Stall steht eine Kuh, weiters nennen die Trappisten zwei Schweine, zehn Hühner und einen Gemüsegarten ihr eigen - zu wenig für die Eigenversorgung. „Wir können nicht einmal unsere vegetarische Lebensweise einhalten, die in der Ordensregel festgeschrieben ist. Auf den Tisch kommt, was wir gerade haben“, stellt Friedwagner klar, der für die Stallarbeit zuständig ist. Und für eine „ungewisse Anzahl an Hunden“, die man als Wächter unbedingt braucht. Mariastern – Marija Zvijezda auf Serbokroatisch – bildet im Trappistenorden eine absolute Ausnahme: Mitte der siebziger Jahre wurde Mariastern zur Pfarre. Das hat das Leben der Mönche, das entsprechend der Ordensregel von Gebet, strengem Schweigen und Handarbeit geprägt war, deutlich verändert. Von Krankentransporten bis zum Verfassen von Hilfsansuchen an die Caritas haben die Trappisten viel „Organisatorisches“ zu erledigen. Etwa 350 Katholiken zählt heute die Pfarre, vor dem Bürgerkrieg waren es 2.500. Friedwagner ohne Wenn und Aber: „Das Notwendige tun – das ist auch für einen kontemplativen Orden eine Selbstverständlichkeit.“
Hilfe aus Engelszell
Eine verlässliche Stütze hat die Gemeinschaft in Banja Luka im Trappistenkloster Engelszell. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die deutschstämmigen Mönche aus Mariastern flüchten mussten, fanden sie in Engelszell Aufnahme. Ihrer Heimat aber blieben sie verbunden: So half Engelszell nach den beiden Erdbeben 1969 und 1981 und finanzierte einen einfachen Klosterneubau. Zur Zeit steht Mariastern P. Nivard als Superior vor. Er ging vor dem Bürgerkrieg – damals schon siebzigjährig – nach Banja Luka, an den Ort, den er als junger Mönch verlassen hatte.