Die Ausgaben seien explosionsartig gestiegen, ein Gesamtkonzept fehle. – Diese und andere Kritik des Rechnungshofes an der Sozialabteilung des Landes OÖ. wurde öffentlich ausgebreitet. Es hätte auch Positives zu schreiben gegeben.
Die Tatsache etwa, dass allen geprüften Organisationen bescheinigt wurde, gute Sozialarbeit zu leisten, fand kaum Beachtung. So sind sie nun mitbekleckert, wenn auch nur indirekt, alle Einrichtungen, die psychisch kranke Menschen betreuen. Die Leistungen des Landes OÖ an diese Organisationen waren Gegenstand der Prüfung: Exit sozial, pro mente, der Sozialverein B37 und St. Bernhard der Caritas. Über das Wohn- und Betreuungszentrum St. Bernhard in Engelhartszell gäbe es guten Anlass, inhaltlich zu schreiben. Die Rechnungshof-Kritik an den Rücklagen hätte nur nachgefragt werden müssen: Warum? – St. Bernhard errichtet einen Neubau für die Langzeitbetreuung (ehemaliges Pflegeheim des Klosters Engelszell), zu dessen Finanzierung mit dem Land OÖ ein Ansparungsmodell vereinbart wurde. Das Geld wird im ersten Quartal des kommenden Jahres verbaut sein. St. Bernhard mit seinen fünf Standbeinen (siehe unten) hat sich eine hohe Latte gelegt. Der Leiter Hans Mair nennt einige der Ziele: Die Mitarbeiter/innen sollen so handeln, dass neue Möglichkeiten entstehen. Sie sollen ein therapeutisches, also heilsames Klima herbeiführen. „Auch Menschen, die den heutigen Standards unserer Leistungsgesellschaft nicht oder nicht mehr entsprechen können, sollen würdevoll leben und haben ihren Platz in der Gesellschaft.“
Pamingerhof
Ein Beispiel dafür ist der Pamingerhof: Auf dem renovierten Bauernhof in St. Ägidi – bei den Arbeiten legten Menschen, die nun hier wohnen und arbeiten, selbst mit Hand an – finden seit dem vorigen Jahr 18 Menschen mit psychischen Erkrankungen Platz zum Leben und Mitarbeiten. Arbeit gibt es genug – in der Landwirtschaft (Schafe, Hühner, Erdäpfel...), im Haushalt, in der Tischlerei, Schlosserei, Gärtnerei, . . . In kleinen Wohngruppen hat jede/r ein Einzelzimmer. „Durch die tagesstrukturierte Beschäftigung und durch das Leben in und mit der Natur können die Bewohner/innen gemeinsam mit den Betreuer/inne/n einen Schritt in Richtung Gesundung und Heilung antreten“, sagt der Leiter des Hofes, Martin Wintereder. Langzeitbetreuung (64 betreute Personen), freies betreutes Wohnen (6 Teilnehmer/innen), die Wohngemeinschaft WOGE (10 betreute Menschen), der Pamingerhof (18 Menschen im Beschäftigungs- und Wohnprojekt) und die kleine Gruppe für Menschen mit autistischem Verhalten (2 Personen) sind das Leistungsangebot von St. Bernhard.
Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich in der Sicherung der Schwächsten“, sagt Mathias Mühlberger, der stellvertretende Caritas-Direktor und Leiter der Caritas für Betreuung und Pflege. Eine Leistung, die nicht durch eine oberflächliche Kostendiskussion entwürdigt werden darf.