Als wir die Ministrantengruppen leiteten, waren wir ein unzertrennliches Paar. Du hattest Gitarrenunterricht, ich wollte dem nicht nachstehen und so übte ich: „Du biiist das Licht der Wääält …“ G, e-Moll, a-Moll und D7. Bei der Zwischenstrophe mit C wurde das Ganze dann schon schwieriger.
Wir sangen alle Liederbücher von vorne bis hinten und zurück durch. Die Jungschar-Diözesanleitung versorgte uns mit reichem Notenmaterial. Wenn ich heute den „David“ durchblättere, merke ich, dass es das Neueste und Beste der Zeit war: Texte von Zenetti und Willms, Lieder von Janssens und Edelkötter aus der Mitte der 70er Jahre. Sie helfen mir auch heute noch, meinen Glauben in Worte zu fassen.Es ist nicht einfach, aus dieser Fülle nur ein Lied auszuwählen, das uns verbindet. Ich nehme Kommt herbei, singt dem Herrn, ruft ihm zu, der uns befreit (GL 270). Die Begleitung – e-Moll und H7 – lag auch in meiner Preisklasse des Gitarrespiels und aus heutiger Sicht verdanke ich ihm einige Einsichten.
Die Melodie ist aus Israel, dem Land, von wo uns Gottes Bund und Verheißungen geschenkt wurden. Ein kleiner Funken im Gotteslob, uns daran zu erinnern. Wir haben damals auch „Schalom Chaverim“ und „Hevenu Schalom aleichem“ gesungen. Seinerzeit empfand ich dies als nett und exotisch, heute hat es für mich große Bedeutung, weil mir unsere Weggemeinschaft mit dem Judentum sehr wichtig geworden ist.Der Text lehnt sich an Ps 95 an. Ich freue mich, wenn wir singen ruft ihm zu, der uns befreit! Im Glaubensbekenntnis nennen wir Gott den „Schöpfer des Himmels und der Erde“. Die zentrale Erfahrung Israels und der Bibel ist jedoch die Befreiung aus der Sklaverei. Ich weiß viel, wofür ich ich für mich und für unsere Gemeinde, für unser Land und und die Welt Befreiung – Aufbruch und Veränderung – wünsche. Unsere Gottesdienste sehen aber nicht so aus, als ob wir das ernsthaft wünschten. Nun ja, es wäre ja auch unbequem.Heute fällt mir auf, dass die Übertragung des Psalms ohne „Ehre sei dem Vater und dem Sohn …“ abschließt. Jüdische Stimmen empfinden unsere Art, dies gewohnheitsmäßig zu tun, als Enteignung ihrer Tradition: Wenn wir uns heute mehr und mehr auf das gemeinsame Bekenntnis des Gottes Israels besinnen, sollten wir auch die gemeinsamen Gebete lassen, wie sie sind und nicht gleichsam „taufen“.