Viel Beachtung fanden die Begrüßungsworte von Bischof Maximilian Aichern bei den Redakteuren/-innen der ersten Konferenz der deutschsprachigen Kirchenpresse. Wir zitieren daraus.
Die Kirchenpresse ist ein Spiegelbild der großen innerkirchlichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten. Die Kirchenzeitungen haben sich vom „verlängerten Arm des Bischofs“ oder der „papierenen Kanzel“ zu einem Ort der Begegnung in den Ortskirchen, zu Brücken für den Erfahrungs- und Glaubensaustausch, zum Spiegel des kirchlichen Lebens und zum runden Tisch des Gespräches entwickelt. Trotz mancher Widerstände bei Bischöfen und Gläubgigen ist es in hohem Maß gelungen, die den Medien eigenen Gesetzmäßigkeiten auch in der Kirche durchzusetzen. Ich danke den Redakteuren/-innen für ihren großen Arbeits- und Glaubenseinsatz, für die vielen Impulse, die von den Kirchenzeitungen ausgehen, für die „dicke Haut“ bei manchen Reaktionen, für den Kampf um offene Information und Diskussion in der Kirche und für die gute Zusammenarbeit zwischen Kirchenpresse und Pastoral. Es gibt auch in der Kirchenzeitung eine Letztverantwortung des Bischofs. Es gab aber einen großen Wandel, und zwar von der Einordnung „unter dem Bischof“ zur „Bestimmung mit dem Bischof“. Die in der Kirchenzeitung Arbeitenden sollen das Vertrauen des Bischofs genießen. Er muss aber nicht hinter jeder Zeile stehen.
Dank und Glückwunsch
Einen besonderen Dank möchte ich für alle Bemühungen der Zusammenarbeit über die Diözesen hinaus sagen. Als Linzer Bischof stehe ich ganz hinter dem Kooperationsmodell der Kirchenzeitungen von Linz, Innsbruck und Feldkirch. Die Kooperation hat zwei Hauptanliegen des Konzils in unserern Diözesen wesentlich gefördert: das Prinzip Ortskirche und das Prinzip Weltkirche. Ortskirche deshalb, weil das hier praktizierte Modell von Kooperation auf der Eigenständigkeit und Eigenverantwortung der diözesanen Kirchenzeitungen aufbaut und so die Eigenart und Charakteristik der Ortskirche (Diözese) – als Kirche in vollem Sinn des Wortes – nicht unterläuft, sondern unterstreicht. Weltkirche, weil gerade die Zusammenarbeit mehrerer Diözesen weltweit sehr viel bewirken konnte, von der Unterstützung notleidender Kirchen, von Evangelisierungs-Projekten, wie etwa den Druck von Bibeln und Religionsbüchern, bis hin zur Befreiung von Gefangenen. Die Verbindung von Anliegen der Kirche in den armen Ländern mit den Kirchen der Industriestaaten ist eine besondere Stärke der westösterreichischen Kirchenzeitungs-Kooperation.
25 Jahre erfolgreiche Kooperation ist ein Faktum, das man in der Tat feiern darf, denn es ist einmalig im deutschen Sprachraum.Ich möchte den Redaktionen Mut machen, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Die Gesellschaft braucht Medien, die nicht unter dem Primat des geschäftlichen Erfolges gemacht werden, sondern unter dem Primat der Frage, was den Menschen vom Licht des Evangeliums her gesagt werden soll und die den Dialog in diesem Sinne fördern. Kirchenzeitungsarbeit ist Dienst an den Menschen.
Eine Berufung
Die Bischöfe Alois Kothgasser(Innsbruck) und Klaus Küng (Feldkirch) appellierten an die Kirchenpressejournalisten, Christus in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. Er ist der Weg des Lebens, der den Menschen Sinn erfahren lässt und die Augen für Mitmensch und Umwelt öffnet. Für den Journalismus ergebe sich daraus, so Kothgasser, eine große Liebe zur Wahrheit und zu den Menschen, das Eintreten für Benachteiligte und die Schöpfung sowie der Dienst an der Einheit der Kirche. Katholischer Journalismus sei Berufung im wahrsten Sinne, sagte Kothgasser.
ZUR SACHE:
Erstmals zu einem Treffen deutschsprachiger Kirchenzeitungsjournalisten mit Kolleginnen und Kollegen aus den Reformländern ist es bei der Veranstaltung der Kooperationsredaktion in Salzburg gekommen. Dass es kaum Kontakte in der Kirchenpresse zwischen Ost und West gebe, wurde von den Teilnehmern aus Tschechien, Polen, Kroatien und Bosnien-Herzegowina bedauert. Wie unterschiedlich die Situation für die Kirchenpresse in den Reformländern ist, zeigen folgende Beispiele:
- Kroatien: „Glas koncila“ war seit ihrer Gründung 1962 die einzige unabhänige Zeitung in Jugoslawien und hatte den Ruf einer Oppositionszeitung. Mit Kriegsbeginn Anfang der 90er wurde die katholische Wochenzeitung für das gesamte Land zur „Kriegszeitung“, wie Chefredakteur Ivan Miklenic sagte: „Wir versuchten ethische Prinzipien zu fördern, die im Krieg besonders bedroht sind.“ Es sei daher auch nicht verwunderlich, dass in diesen Jahren die Auflage von 80.000 auf unter 50.000 gesunken ist. Größtes Problem, so Miklenic, bereite heute der Mangel an professionellen Journalisten mit theologischer Ausbildung.
- Tschechien: Adolf Pintir, Chefredakteur der in Budweis erscheinenden Diözesanzeitung „Setkani“, bezeichnet als typisch für die Situation der kirchlichen Presse: Das große Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber der Kirche, und die fehlende Bereitschaft, innerkirchlich in der Medienarbeit zusammenzuarbeiten.
- Weißrussland: Dass die Pressefreiheit auch in Europa nach wie vor bedroht ist, zeigt das Land unter Lukaschenkos Diktatur. Die Chefredakteurin der in Minsk erscheinenden „Katalickija navini“, Alina Novikova, musste im letzten Moment ihre Teilnahme absagen. Der Präsident zwang wieder einmal alle Zeitungen zur bürokratisch höchst aufwendigen Registrierung.