Die Kirchenzeitungen und ihre Zukunft war das Thema einer internationalen Tagung, zu der die Kooperationsredaktion nach Salzburg eingeladen hat.
Es war eine schwierige Frage, mit der sich die Herren am Podium zum Auftakt der ersten deutschsprachigen Kirchenpressekonferenz am 3. Oktober befassten: Sind die Kirchenzeitungen Dinosaurier? Wie eng diese Frage mit dem Thema der dreitägigen Veranstaltung – „Was uns bewegt“ – verbunden ist, zeigen die jährlich sinkenden Auflagenzahlen. Für Ernst Gansinger, den Generalsekretär der österreichischen Kirchenpresse, haben einschlagende Himmelskörper das Schicksal der Dinosaurier besiegelt. Und so sieht er auch die Kirchenzeitungen durch Meteoriten bedroht: Konkurrenzdruck sekularer Medien, personelle Unterbesetzung in den Redaktionen, gestörtes Verhältnis der Kirche zur Öffentlichkeit und mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit. „Dinosaurier waren sehr alte Lebewesen. Sie sind ausgestorben, weil sie sich der verändernden Umwelt zu wenig angepasst haben“, meinte Michael Schmolke. Der Uniprofessor für Publizistik in Salzburg verglich das Erscheinungsbild zweier Wochenzeitungen: Neben dem deutschen SPIEGEL sehen viele der gleich alten Kirchenzeitungen nicht nur rein äußerlich alt aus.
Überraschung
Dass es dennoch auch bei Kirchenzeitungen einen großen Wandel gegeben hat, stellte Bischof Maximilian Aichern schon bei der Eröffnung fest. Aus der Zeitung „unter dem Bischof“ sei eine „mit ihm“ geworden. Und er dankte allen Redakteuren für den Kampf um offene Information und Diskussion in der Kirche. Worte, die so manche der 75 anwesenden Journalistinnen und Journalisten aus acht Nationen überraschten und bewegten. Der zweite Tag war dem Ausblick gewidmet. Über zukunftsfähiges Leben sprach die Dominikanerin Aurelia Spendel: kritisch-wohlwollende, prophetisch-informierte „Zeitansage“ wendet sich der Gegenwart zu, hat die Geschichten der Vergangenheit im Ohr und die Herausforderungen der Zukunft vor Augen. Aus der Weltkirche bot Miklos Tomka eine Analyse zur Situation in den Reformländer zehn Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Und der brasilianische Bischof Richard Weberberger erhob seine Stimme zum „Aufschrei der Ausgeschlossenen“. Auch die Perspektiven für Europa von Kardinal Franz König und die anschließende Diskussion mit dem 95-Jährigen bleibt in bewegender Erinnerung.
Anlass der Tagung war das 25-jährige Bestehen der Kooperationsredaktion. So stand am dritten Tag die Zusammenarbeit auch im Mittelpunkt. Deutlich wurde, wie schwierig es ist, dieses Ziel zu erreichen. Denn emotional war das Gesprächsklima zwischen der deutschen Zentralredaktion und einer diözesanen Zeitung, die sich den „Expansionsgelüsten“ noch widersetzt. Oder wenn, wie in Österreich, von oben verordnete Zusammenarbeit mit der Ansage von Kündigungen beginnt. Und dennoch: trotz dieser Dissonanzen war das Treffen ein voller Erfolg und wird die Zusammenarbeit unter den Journalisten von Kirchenzeitungen in Ost und West nachhaltig fördern.
STIMMEN:
Was uns bewegt
Unter dem Leitwort „Was uns bewegt“ standen die Vorträge und Debatten der ersten Kirchenpresse-Konferenz der deutschsprachigen Länder. In Zeiten mit rasanten Umbrüchen sind Zukunftsorientierungen gefragt. Wer darauf aber mit immer denselben alten Antworten reagiere, verliere die Zuhörerschaft. Darauf verwies die Dominikanerin Aurelia St. Spendel. Miklós Tomka aus Budapest machte das deutlich: Die Kirche hat heute in den vielen exkommunistischen Reformländern einen enormen Vertrauensbonus. Weitgehend in alten Denkmustern verhaftet steht sie den modernen Entwicklungen aber oft verständnislos und ablehnend gegenüber. Dabei würden sich viele Menschen gerade von Religion einen entscheidenden Beitrag zur persönlichen und gesellschaftlichen Selbstfindung und zur Errichung einer demokratischen, solidarischen Gesellschaft erwarten.Bischof Weberberger aus Brasilien forderte die Kirchenzeitungen auf, der internationalen Finanzwelt auf die Finger zu klopfen und ihrer Botschaft, dass die Armen selbst an ihrer Armut schuld sind, entgegenzutreten. Von der Kirche erwarte er sich eine neue Kultur des Dialogs. „Die pastoralen Nöte vieler Länder, wie z. B. der akute Priestermangel, brauchen endlich lebbare Antworten.“ Kardinal König betonte, die Kirchen können die geistige und gesellschaftliche Entwicklung Europas nur dann mitgestalten, wenn sie ökumenisch handeln. Sr. Dr. Aurelia Spendel für "Zeitansage" mit Zivilcourage und Lebensbejahung.