Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.“ (Mk 10, 42)Für viele von uns hat der Begriff Macht einen negativen Beigeschmack. Wir assoziieren Macht mit Machtmissbrauch, Ausbeutung, Unterdrückung, Gewalt, existentieller Bedrohung, scheuen uns aber nicht, diese Mechanismen konsequent anzuwenden – im öffentlichen und im privaten Bereich, im politischen Geschäft, im Beruf, in der Familie. Brutal, rücksichtslos, raffiniert.
Die meisten Frauen verabscheuen Macht, sie wollen andere Menschen nicht beherrschen.So sagen sie. Dass sie letzten Endes doch herrschen wollen, gestehen sie nicht ein, nicht einmal sich selbst. Dennoch setzen wir sehr gezielt subtile Machtinstrumente ein, kämpfen zäh wie die Männer, aber mit feinerer Klinge, um Macht zu erhalten, Einfluss zu nehmen, Positionen zu halten, Karriere zu machen, die Familie zu beherrschen.
Viele Männer sind da nicht so zimperlich. Sie wissen, dass Macht und Handlungserfolg nahe beieinander liegen. Sie sind coole Einzelkämpfer, die ihren Willen durchsetzen ohne Rücksicht auf Verluste. Auch in der Familie. Ein bisschen Unterdrückung, ein Quäntchen Terror, eine massive Drohung mit Geld- oder Liebesentzug – und Frau und Kinder parieren. Man(n) fühlt sich im Recht. Steht nicht in der Bibel: Wer der Erste/die Erste bei Euch sein will, soll der Sklave (gemeint ist natürlich die Sklavin) aller sein. Sehr praktisch. Und Dienen wird auch dringend angeraten. Vorgetragen und abverlangt werden diese Erfolgsrezepte im Familienalltag mit dem diskreten Charme des Schmalspurmachos. Schließlich ist man ja kein Prolo. Schreckliche Szenarien, die Jesus nie und nimmer gemeint hat.
Achtung, Respekt und Wohlwollen füreinander sind die Basis einer lebensfähigen und dauerhaften Beziehung. Die Bibel lehrt nicht falsche Bescheidenheit, sondern Jesus lehrt uns Verantwortung füreinander, Fürsorge und Mitsorge und so eine gleichberechtigte und gleichwertige Partnerschaft ohne faule Kompromisse und Unterwerfung zu leben. Die eigenen Talente und Fähigkeiten und die des anderen/der anderen zu fördern, ihn oder sie zu ermutigen und zu befähigen, das gemeinsame Leben zu meistern, ohne auf sich selbst zu vergessen, heißt für mich Dienen im Sinne dieses Evangeliums und nicht den eigenen Willen gegen Widerstreben anderer durchsetzen. Mit Augenmaß, Charisma,Verantwortungsgefühl und Nächstenliebe zu agieren, bedeutet Erste/r und Diener/in zu sein – in Politik, Berufsleben, Familie.