„Die Situation ist sehr schlimm, ohne viel Hoffnung für die Zukunft“, meinte ein hoher Kirchenmann aus der Altstadt in Jerusalemer. Der Friedensprozess sei nach den palästinensischen Lynchmorden in Ramallah und den israelischen Raketenangriffen von vergangener Woche „praktisch tot“. Es bleibe die Frage, wer noch wo die Macht habe.In dieser dramatischen Situation haben vergangenen Donnerstag die getrennten Christen in ungewohnter Eintracht in Jerusalem um Frieden gebetet. Alle Gemeinschaften waren beim Gebet in die Stephanus-Kirche im Ostteil der Stadt vertreten. Der lateinische Patriarch Michel Sabbah forderte in der Predigt zu Versöhnung und zum Verzicht auf Rache auf. Und die Botschaft des auf Arabisch gehaltenen Gebetes lautete: Die Logik der Schläge und unangemessenen Gegenschläge müsse aufhören, der Geist der Versöhnung müsse sich durchsetzen, man müsse für die Verfolger beten. Statt Hass und Rache müssten Versöhnung und die Achtung des Lebensrechts die Maxime für alle sein. Aber selbst dieses Gebet wurde von der politischen Realität eingeholt. Der Chor der Rosenkranz-Schwestern, der den Gottesdienst gestalten sollte, konnte nicht kommen. Die Ordensfrauen aus Bethanien wurden am Check-Point zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten aufgehalten und durften nicht nach Jerusalem hineinfahren.