Scharfe Kritik an der Vorgangsweise bei der Inbetriebnahme des tschechischen Atomkraftwerkes Temelin hat der Wiener Moraltheologe und Sozialethiker Augustin Pötscher geübt. Für ihn sei „die Art und Weise, wie man Temelin jetzt in Betrieb nimmt, momentan wesentlich bedenklicher als die Frage der Sicherheitsstandards“. Vorbei an allen Protesten und Appellen werde der „Machtanspruch in einer Art nationalistischer Manie durchgesetzt“. Pötscher weiter: „Was würde dagegen sprechen, die Inbetriebnahme auszusetzen, um eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorzunehmen und damit die Ängste vieler Menschen ernst zu nehmen?“. Er sehe die Entscheidung der tschechischen Regierung als „irrational und fast panisch“ an, jetzt die Reaktoren hochzufahren statt „normale Klärungsprozesse zuzulassen“. Dies sei sowohl ethisch als auch demokratiepolitisch bedenklich. Für diese Entscheidung könne die Regierung in Prag nie eine Verantwortung übernehmen, wie das der Fall Tschernobyl gezeigt habe.