Weltladen-Team Höchst sieht neue Chancen durch eigenes Verkaufslokal
Ausgabe: 2000/42, Weltladen, Sozialwort
17.10.2000
- Walter Greußing
„Ich habe 15 Jahre lang die Hoffnung nie aufgegeben, dass wir ein eigenes Verkaufslokal bekommen.“ Dass es jetzt soweit ist, eröffnet Ilse Köb und ihrem Weltladen-Team neue Möglichkeiten.
Letzten Sonntag wurde in der 7000 Einwohner zählenden Gemeinde Höchst am Bodensee das neue Pfarrzentrum eingeweiht. Als Mitglied des Bauausschusses freute sich Ilse Köb natürlich über das gelungene Bauwerk. Als Gründerin des Weltladen-Teams hat sie erst recht Grund zum Jubeln: Im Pfarrzentrum ist nämlich auch ein eigener Weltladen untergebracht. Damit ist den fünf Frauen der Sprung von einer Verkaufsstelle zum kleinen Laden möglich. Voller Optimismus hat das Team gleich die Verkaufszeiten erweitert, so dass Kunden statt einmal gleich dreimal die Woche Gelegenheit zum Einkaufen haben. „Ich hoffe, dass unsere Kundschaft von unserem schönen Laden und dem erweiterten Angebot genauso begeistert ist wie wir. Jetzt haben wir nämlich Platz für die schönen Handwerkssachen“, freut sie sich sichtlich.Um die Leute sozusagen auf den Geschmack zu bringen, gibt es schon am kommenden Sonntag einen großen Familientag unter dem Motto „EINE Welt – verstehen und fair handeln“.
Mit viel Idealismus
„Entwicklung muss nicht nur in der 3. Welt, sondern auch bei uns und in uns erfolgen, eine Entwicklung, die wirtschaftlichen Fortschritt mit sozialer Gerechtigkeit verbindet.“ So stand es auf einem Handzettel zum ersten Verkaufstag am 2. Februar 1985. Für dieses Anliegen hat das Team mit allen wechselnden Mitgliedern stets mit viel Idealismus gearbeitet. „Sicher hätte es noch mehr Bewusstseinsbildung gebraucht. Doch dazu haben wir uns nicht auch noch imstande gesehen“, erklärt die Leiterin.
Sie hofft, dass der neue Weltladen nicht nur neue Kunden/ -innen anspricht, sondern auch die Bereitschaft zur Mitarbeit weckt. „Es gibt bestimmt Menschen, die ein paar Stunden im Monat Zeit für unser Anliegen haben“, ist Ilse Köb zuversichtlich. Bei der Caritassammlung hat sie schließlich auch quasi nebenbei 40 Frauen für den Kirchenputz gewinnen können. Neben Verkäuferinnen wären noch Idealisten gefragt, die die Idee der Weltläden verstärkt unter die Leute bringen. Motiviert zum Einsatz für mehr Gerechtigkeit im Handel mit der Dritten Welt hat Ilse Köb ihre frühere Schulkollegin und KJ-Kameradin Maria Meusburger, die als Laienmissionarin in Ecuador im Einsatz ist. Am Ball zu bleiben und nicht locker zu lassen, das hat die Weltladen-Chefin bei der Katholischen Jugend gelernt. Seit dieser Zeit ist sie im Pfarrhaus wie daheim. Bei allem Engagement für den fairen Handel ging und geht es ihr gut dabei, „weil wir ein tolles Team sind und unsere Männer hinter unserer Arbeit stehen“.
SOZIALWORT:
„In Österreich gibt es viele äußerst aktive Gruppen im christlichen Bereich, die ein breites Spektrum der Entwicklungszusammenarbeit und der missionarischen Unterstützung abdecken. Dabei geht es jedoch nicht nur um das Spendenaufkommen, sondern sie leisten durch ihr Engagement einen intensiven Beitrag für das Bewusstsein der internationalen Solidarität in Österreich“, sagt Christian Mazal, Generalsekretär von Missio Austria. Für ihn ist darum der erste Schritt des Sozialwortes eine Chance, dass auch diese sozialen Aktivitäten der Kirchen erhoben und der Öffentlichkeit in Erinnerung gerufen werden. Zu seinen Erwartungen an das Sozialwort gefragt, meint Mazal: „Für mich ist entscheidend, dass die Kirchen noch stärker im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit die soziale Verantwortung des Staates einfordern. Es geht um die Mitverantwortung für die Entwicklung der Lebenschancen von Menschen weltweit. Denn wenn sich die Kirchen als Anwälte der Ärmsten hier in Österreich verstehen, dann sind sie genauso Anwälte der Ärmsten in den Elendsregionen der Welt.“
Alle Initiativen, Gruppen und Organisationen der Kirchen, die im Sozialbereich aktiv sind oder sich für Frieden, Menschenrechte und Umwelt engagieren, sind eingeladen, bis 15. Jänner über ihre Arbeit zu berichten. Sie werden aber auch gebeten, ihre Erwartungen und Forderungen an die Kirchen und an die Gesellschaft (Politik) zu benennen.
Machen Sie mit und fordern Sie den Erhebungsbogen an:Redaktion KIRCHE, Wilhelm Greil Str. 7, 6020 Innsbruck; Fax: 05 12/ 59 8 47-403; E-Mail:kirchenzeitung@dioezese-innsbruck.at