Beinahe zwei Jahrhunderte wuchs Gras über die abgebrochenen Klosteranlagen von Waldhausen. Die Landesausstellung 2002 ist der Anlass, die Spuren der Vergangenheit freizulegen.
Es lohnt sich, die Schuhe schmutzig zu machen, über Erdhügel zu klettern und über Künetten zu springen: Die Ausgrabungen, die im Zuge der Drainagierungsarbeiten im Klosterbereich gemacht werden, ermöglichen einen faszinierenden Blick in die Geschichte des ehemaligen Chorherrenstiftes. Unübersehbar ist das 160 m2 große Kellergewölbe, über dem sich der Speisesaal der Mönche befand. Hinter einer barocken Ziegel-Vormauerung sind die zur Gänze erhaltenen mittelalterlichen Mauern sichtbar. Die Fundamente des Kreuzgangs, der Klosterfriedhof, ein Brunnen und die Latrine der Mönche wurden ebenfalls freigelegt. Die Funde stammen teils von den zerstörten Trakten des Barockklosters, teils von der mittelalterlichen Anlage des 1147 gegründeten Stiftes.
Pfarrer Karl Wögerer möchte die bedeutendsten Entdeckungen unbedingt für die Besucher/innen der Landesausstellung und auch danach zugänglich machen. Die zumindest teilweise Erhaltung der Fundstätten wäre eine wesentliche Bereicherung des Museums, das im Torturm eingerichtet wird und auch nach der Landesschau vor allem Schülern das Auf und Ab des Klosters im Laufe der Jahrhunderte nachvollziehbar machen soll.
„Unsichtbares sichtbar machen“ steht als Leitmotiv über der Neugestaltung des gesamten Klostergeländes. Um von der Größe des Stiftes eine Vorstellung zu bekommen, wird das Areal eingefriedet und die Grundfläche der abgerissenen Gebäude begrünt. Vom Kirchturm aus, der geöffnet wird, bietet sich den Besuchern dann ein Blick auf die Klosteranlage. Als Ort der Ruhe wird auch der Prälatengarten neu gestaltet.Die Vorbereitung der Landesausstellung ist für die Pfarre eine große Herausforderung, so Pfarrer Wögerer. Nicht nur finanziell, da ein Teil der Renovierungskosten von der Pfarre zu tragen ist. Die Arbeiten und Funde drängen auch dazu, sich mit der Geschichte auseinander zu setzen: So gehören zum Beispiel Teile der ausgegrabenen Fundamente zum „Kloster des Konrad von Waldhausen“. Der bedeutendste Chorherr des Stiftes war Prediger am Hof Karl IV. in Prag und setzte sich schon vor dem Reformator Hus für eine Erneuerung der Kirche in Böhmen ein.
Die Landesausstellung 2002 gibt der Pfarre nicht nur geistliche Impulse, die Bauarbeiten haben ein angreifbares Ergebnis: Nach der Landesschau wird der Pfarre erstmals ein modernes Pfarrzentrum zur Verfügung stehen, der verbleibende Teil des Stiftsgebäudes wird für betreubares Wohnen genutzt. Elf ältere Menschen aus Waldhausen können damit in ihrer Heimatgemeinde den Lebensabend verbringen.