Markus Schlagnitweit glaubt an die Stärke der Katholischen Aktion
Ausgabe: 2000/42, Markus Schlagnitweit, Katholische Aktion,
19.10.2000
- Matthäus Fellinger
Der neue Geistliche Assistent der Katholischen Aktion, Dr. Markus Schlagnitweit, hat sein Amt angetreten.
Mit Vorliebe ist er im Urlaub zu Fuß unterwegs. Seine Wege in der Stadt legt er mit dem Rad zurück, auch im Winter. Er spielt Querflöte und nimmt Gesangsunterricht. Von Beruf ist er Hochschulseelsorger in der Katholischen Hochschulgemeinde Linz. Seit 1. September ist Dr. Markus Schlagnitweit Geistlicher Assistent der Katholischen Aktion in der Diözese Linz. Er ist Nachfolger von Ernst Bräuer, der 18 Jahre diese Funktion ausgeübt hat. Das Werden seiner Heimatpfarre hat den 1962 geborenen Markus Schlagnitweit mitgeprägt. Am Harter Plateau betrieb sein Vater einen Malereibetrieb. Die dortige Pfarre St. Johannes wurde damals gegründet. Markus erinnert sich an die Maiandachten, die auf einem Dachboden gefeiert wurden – und schließlich ans Jugendzentrum, dessen Entstehungsgeschichte er miterlebte. Kirche war für ihn eine handfeste und zukunftsträchtige Sache geworden. Er kam ins Linzer Priesterseminar, studierte schließlich in Rom und machte sein Doktorat bei Dr. Johannes Schasching, den bekannten Sozialethiker aus Oberösterreich. Nach der Priesterweihe 1989 wurde Schlagnitweit Kaplan in Wels-St. Stephan, war einige Jahre in Wien Seelsorger bei der Katholischen Hochschule und wurde schließlich Hochschulseelsorger in Linz. Das war 1997.
„Vom Bollwerk zur Brücke“ heißt ein Buchtitel des Linzer Theologen Markus Lehner, der damit die Entwicklungslinie der Katholischen Aktion in Österreich beschreibt. Für Markus Schlagnitweit drückt der Titel treffend die Veränderung aus. „Brücke bedeutet für mich, selbst den Dialog zu suchen.“ Es gelte, in die Kirche hereinzubringen, was die Leute bewegt. Und es gelte auch, hinauszugehen. In der Gesellschaftspolitik insgesamt gelte dies, aber auch auf der lokalen Ebene in den Gemeinden. Im Leben der meisten Leute spielt Kirche heute eine geringere Rolle. Kirche müsse sich sehr stark für die Lebenswelt der Menschen interessieren. Die Katholische Aktion könne dazu beitragen.Auch als „kritischer“ Begleiter möchte Schlagnitweit in der Katholischen Aktion da sein. Die Verbindung zwischen Funktionärsschicht und den Mitgliedern ist ihm ein wichtiges Anliegen. „Primär sind wir Christinnen und Christen und nicht Parteimitglieder“, spricht Schlagnitweit den Konflikt an, der sich im Frühjahr anlässlich der Regierungsbildung gezeigt hat.Stärker zum Tragen möchte der neue Geistliche Assistent die Erfahrung junger Menschen bringen. Seine Aufgabe als Hochschulseelsorger kommt ihm da zugute.
Trotz aller Veränderungen, was Kirche betrifft, hält Schlagnitweit doch sehr viel von den gewachsenen Strukturen der Katholischen Aktion. Solange es nur irgendwie geht, sollten sie aufrecht erhalten werden, denn sie schaffen für die Organisation Festigkeit, Dauer und auch Verbindlichkeit. Eine zweite Schiene müsse dennoch aufgemacht werden – für Menschen, die nicht in erster Linie Mitgliedschaft suchen, sondern die an speziellen Projekten und Inhalten interessiert sind. Katholische Aktion könnte so ein Forum des Austauschs sein; und sie steht für ein Kirchenbild, in dem nicht nur die Amtshierarchie etwas zu sagen hat, sondern wo auch die Laien feststellen: Wir sind Kirche.
Wer einen Internetzugang hat, kann den Geistlichen Assistenten noch besser kennen lernen – mit Lebensgeschichte, Themen und Predigten: w3.khg-heim.uni-linz.ac.at/schlagnitweit