Wir nennen uns „Barmherzige Schwestern vom heiligen Kreuz“ (= Kreuzschwestern) – ein Name, in dem auch heute unsere Berufung und unser Auftrag zum Ausdruck kommen. In unserer Lebensordnung heißt es: „Unser Leben ist der Versuch, etwas von jener Torheit der Liebe sichbar zu machen, die Christus den Tod am Kreuz, der Menschheit jedoch die Erlösung gebracht hat.“
Wir stehen in der Tradition des heiligen Franz von Assisi, an dessen Regel wir unser Leben orientieren. Seine Hingabe an den dreifaltigen Gott, seine Liebe zum armen und gekreuzigten Jesus und zu seinem Evangelium, sein einfaches Leben und seine Zuwendung zu allen Menschen und Geschöpfen sind uns Vorbild, aber auch Herausforderung.Das Kreuz, das im Mittelpunkt unserer Spiritualität steht, umfängt die ganze Menschheit, ja das ganze Universum in seinem Erlösungsgeheimnis. Es streckt sich nach vier Richtungen aus – Norden, Süden, Westen, Osten.Christus, der sich gänzlich von Gott, seinem Vater und Ursprung des Lebens, geliebt wusste, ging aus dieser Grunderfahrung auf die Menschen zu, begegnete ihnen mit dieser Liebe, gerade denen, die von der Gesellschaft nicht geliebt wurden und sich selbst schon aufgegeben haben. Er hat die Welt nicht erlöst durch seine Machtworte und Machttaten, sondern durch seine Hingabe am Kreuz und seine Auferstehung.
Was heißt nun, aus der Perspektive des Kreuzes zu leben?Wir müssen das Kreuz nicht suchen, es begegnet uns tagtäglich: in den eigenen Grenzen und Schwächen und denen der Mitmenschen; in den Anforderungen und Überforderungen, denen wir ausgesetzt sind; den Enttäuschungen und Misserfolgen und anderem mehr. Gerade in diesen Situationen wissen wir uns im Vertrauen von Gott getragen und geführt. So versuchen wir im Alltag etwas von dieser Torheit der Liebe zu bezeugen. Jesu Hingabe ist nicht am Kreuz zu Ende gegangen. Sie ist auferstanden und bezeugt sich heute noch in der Hingabe, mit der wir uns dem Menschen als Barmherzige Schwestern vom heiligen Kreuz zuwenden.