SIMA Reportage aus Linz – vom arroganten Kostüm und vom Erpresso
Ausgabe: 2000/43, Sima
24.10.2000
- Maria Haunschmidt
„Das neue Kostüm scheint sehr arrogant zu sein. Kaffee war der Tante lieber als heißer Erpresso!“ Das klingt lustig und sorgt für Heiterkeit.
Die falschen Wörter müssen bei dieser Konzentrationsübung aus den Sätzen herausgefunden werden. Das fällt nicht schwer. Es ist der zweite Nachmittag des zweiten von insgesamt drei Blöcken des SIMA (= Selbstständig im Alter)-Trainings-Programmes für die SIMA-Seniorengruppe der Pfarre St. Konrad in Linz. Von 20 Damen sind heute 16 gekommen. Die älteste Teilnehmerin ist 86, die jüngste 59. Etwas Kopfzerbrechen macht das Rechenrätsel. Schließlich ist es viele Jahrzehnte her, dass die Damen die Schulbank drückten. Die selben Zahlengruppen sollen angestrichen werden. Das ist nicht so einfach, wenn die Augen nicht mehr so gut mitspielen.
Auf andere zugehen, aber wie?
Damit es nicht zu anstrengend wird, gibt es zwischendurch ein wenig Gymnastik. Gleich ist die Stimmung lockerer und der Geist aufnahmefähiger. Das Programm ist dicht und abwechslungsreich. Die beiden Gruppenleiterinnen Helga Stehrer und Kriemhild Keimelmayr sind gut vorbereitet und aufeinander eingespielt, so dass nie ein Leerlauf entsteht.Hauptthema sind heute die „sozialen Kontakte“. Bei Rollenspielen wird geübt, wie man aus der Isolation herauskommt. Gespielte Alltagsszenen zeigen, wie man mit fremden Menschen ins Gespräch kommt – beim Einkaufen, am Bauernmarkt oder im Park. Besonders gekonnt gelingt die Szene, als eine Dame allzugern die Zeitung einer Zufallsbekanntschaft lesen möchte. Diese schenkt ihr die Zeitung, worauf Frau Elfriede schlagfertig meint: „Das ist nett. Ich werde die Zeitung zu Hause lesen, dann können wir uns jetzt unterhalten!“. Es wird viel gelacht und gescherzt. Das ernste Thema Sterben und Trauern wird erst demnächst behandelt.
Die eineinhalb Stunden vergehen wie im Flug. „Ich freu mich schon immer auf SIMA“, sagen einige der Damen, denen die Sommerpause viel zu lang war, so sehr ist ihnen SIMA abgegangen. „Man lernt nette Leute kennen, kommt aus seinem Trott heraus und erfährt viel Nützliches für sein Leben. Mir gefällt die Gemeinschaft!“ so lautet der Tenor der Anwesenden. Es heißt auch gut aufpassen, denn die Jungen fragen daheim, was die Oma wieder gelernt hat.
Sima auch für den Seniorenbund:
Was sagen Sie zu SIMA?
SIMA ist eine gute und förderungswürdige Sache, weil für das Wohlbefinden der älteren Menschen etwas getan wird. Ich empfehle SIMA auch den Mitgliedern des Seniorenbundes.
Könnten Sie sich vorstellen, SIMA für sich in Anspruch zu nehmen? Durchaus – aber im Moment habe ich noch zu viele andere Aufgaben. Ich tue vieles, was mich auch frisch hält. Durch meine vielen Ämter und Tätigkeiten bin ich ständig im Training: Von 6 Uhr früh, bis in den Abend hinein und sogar über das Wochenende.
Wie halten Sie sich persönlich fit? Durch Gartenarbeit, Sauna und Radfahren.