Nationalfeiertag – eine Anfrage an in unserem Land lebende Menschen
Ausgabe: 2000/43, Nationalfeiertag, arbeitsfrei, Regierung
24.10.2000
- Ernst Gansinger
Vor 35 Jahren – am 25. Oktober 1965 – machte der Ministerrat der österreichischen Regierung den 26. Oktober zum Nationalfeiertag. Zuvor hieß er „Tag der Fahne“ und war nur in den Schulen ein freier Tag. Seit 1966 ist er allgemein arbeitsfrei.
Nationalfeiertag – Was feiert die Nation? Was bedeutet er den Menschen? Ist das Wort „national“ nicht irritierend? Was ist Österreichs Botschaft?
Neutralität
Gabriele Ambach vom Integrationsbüro des Magistrates Linz weist darauf hin, dass für den Nationalfeiertag das Bekenntnis Österreichs zur Neutralität eine wichtige Bedeutung hat. Österreich hat aufgrund dieser Neutralität eine besondere Verantwortung für Flüchtlinge, die in Österreich Schutz suchen.
Erfolgreicher Weg
„Jedes Land sollte sich seiner besonderen Identität erinnern. Für mich heißt das – ein äußerst erfolgreicher Weg aus einer Krise der Ersten Republik vom Gegeneinander zum Miteinander. Die Menschen sollten Freude und Stolz auch nach außen bekennen. Österreich ist ein wunderbares Land.“ So antwortet Universitätsprofessor Dr. Josef Weidenholzer vom Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik an der Uni Linz. Er ist auch Präsident der Volkshilfe Österreich. Der soziale Ausgleich, die Verteilung des Wohlstands auf alle, sei eine wichtige Aufgabe.
Das Warum nicht vergessen
Die aus England nach Linz gekommene Sarah Grafinger ist Mitglied des Ausländer-Integrationsbeirates Linz. Sie gibt zu bedenken: „Wenn man die Wiedererlangung der Unabhängigkeit Österreichs feiert, sollte man die Hintergründe, die einst zum Verlust dieser Unabhängigkeit führten, nicht vergessen.“ Man sollte auch darauf achten, dass aus dem Nationalfeiertag kein nationalistischer Feiertag werde.
Bescheiden und aktiv
Für Dr. Severin Renoldner vom Sozialreferat des Pastoralamtes ist der 26. Oktober „ein wichtiger Tag für mein Österreich-Bewusstsein, weil er an die Neuerrichtung Österreichs nach dem Trümmerfeld des Zweiten Weltkrieges erinnert. Die Neutralität und eine echte Friedensgesinnung haben dazu viel Gutes beigetragen. Der Begriff ‘Nation’ ist daher positiv besetzt. Er sollte allerdings nicht zu einem Österreich-Nationalismus oder einem Überlegenheitsgefühl über andere Völker hochstilisiert werden. Österreich sollte bescheiden und aktiv am gemeinsamen Europa mitwirken, im Wissen um eigene Fehler und ohne Besserwisserei.“
Den Menschen dankbar
Auch Dr. Gerald Pruckner, Land der Menschen Personenkomitee Neuhofen an der Krems, sagt, dass ihm der Nationalfeiertag sehr wichtig ist. „Mit dem Blick auf die Geschichte dieses Landes verdeutlicht er mir, dass es nicht selbstverständlich ist, in Frieden und Wohlstand aufwachsen und leben zu können. Dafür bin ich sehr dankbar, insbesondere all jenen Menschen, die dieses Land dorthin gebracht haben, wo wir heute stehen.“ Österreich soll signalisieren, „dass wir ein modernes und offenes Land im Herzen Europas sind, das sich zu den Werten Humanismus und gegenseitige Toleranz bekennt. Darüber hinaus sollten wir uns stärker bewusst machen, dass die Zuwanderung ausländischer Menschen für dieses Land sehr wichtig ist.“