„Weil wir dauernd meinen, wir müssten etwas tun, tun wir gar nichts!“, sagte ich einmal spontan während einer Diskussion zum Thema „Solidarität“. Dahinter steckt die Erfahrung, dass die Ohnmacht angesichts von Globalisierungen unser Lebensgefühl prägt.
„Was kann ich als Einzelne/r schon tun?“, ist ein Satz, der oft aus- oder unausgesprochen unseren Alltag bestimmt. Mystische Menschen nehmen diese Spannung ernst, doch sie verweisen uns auf die Wirklichkeit, dass ich nie Einzelne/r bin, sondern immer Teil eines Ganzen. Darum ist Christus für mich solidarische Erinnerung. Seit Jahrhunderten steht Christus in all den Frauen und Männern guten Willens auf, die sich hineinnehmen lassen in die Weggefährtenschaft der Hoffnung und des Vertrauens. Was heute in keiner Zeitung steht, ist kraftvolle Wirklichkeit: überall auf der Welt wagen Frauen und Männer Friedensschritte und gestalten mit an einer solidarischeren Welt. Sie tun es, weil sie einüben, da zu sein. In den Grenzsituationen unseres Lebens können wir keine Lösungen herbeizaubern. Wenn wir zu sehr meinen, wir müssten etwas tun, dann vergessen wir das Naheliegendste zu tun: das Mitsein.
Ich bin da
Gott offenbart sich dem Mose mit den Worten: „Ich bin da.“ Gottes Name ist Ausdruck seines Wesens. Gottes Wesen bedeutet immer da zu sein. Diese Zuversicht konkretisiert sich auch durch uns, wenn wir die Kraft des stillen Daseins, des Zuhörens, des Tröstens wieder in einem größeren Zusammenhang angesichts der Ewigkeit sehen. Der sinnstiftenden Kraft des Daseins trauen, bedeutet mehr im Hier und Jetzt zu leben. In welchem Lebensalter ich auch stehe, bis ins hohe Alter, habe ich eine ureigene Aufgabe auf dieser Welt. Sie wird Wirklichkeit, wenn ich weder zu sehr in der Vergangenheit noch dauernd in der Zukunft lebe. Denn beides hindert uns, der Kraft des Augenblicks zu trauen. Dies ist die Umkehr, von der Jesus spricht, das Reich Gottes ist schon da. Das Wesentliche ist schon da. Die Lösung ist in dir. Gott ist schon da. Es gibt keinen gottlosen Menschen auf dieser Welt, weil kein Mensch Gott los werden kann.
Einen Menschen zu retten …
Durch das stündliche Innehalten im Alltag, dem tiefen Ein- und Ausatmen, können wir einüben, der Kraft des Mitseins zu trauen. Beim Halten der Hand einer Sterbenden, in einer zärtlichen Geste, können wir so viel tun! Am Ende des Films „Schindlers Liste“ sind die Worte eines Rabbiners zu lesen: „Einen Menschen retten, heißt die ganze Welt zu retten!“ An diese Worte erinnere ich mich, wenn die Ohnmacht mich gefangen halten will.
Hoffnungslichter entzünden
Schon mit Kindern können wir in einem einfachen Ritual einüben, dass wir mit allem verbunden sind. Jeden Abend vor dem Einschlafen dürfen sie ein Teelicht entzünden, das im Fenster steht und in die Nacht hineinleuchten wird. Dazu nennen wir Namen von Menschen auf der ganzen Welt, für die dieses Licht brennt. Ein einfaches Vertrauenszeichen, das unsere Wohnviertel solidarischer werden lässt: in möglichst vielen Wohnungen, in der Alterssiedlung, im Kindergarten, im Spital und im Industriequartier brennen Abend für Abend Lichter, damit wir bestärkt werden, Gottes Wirken zu trauen.
Zum Innehalten
Mich in Dein Mitsein verwurzeln lässt mich Vertrauen finden in meine Lebensaufgabe damit ich mich denen zuwende deren Verwundungen nach Heilung schreien
Dein Dasein und Mitsein führt zur inneren Ruhe und zum Mitleiden in Nähe und Distanz
Da sein im Ein- und Ausatmen weil ich dadurch verbunden bin mit allem mit Dir atmender Geist