Markus hilft der Mutter, die Einkaufstasche auszupacken. „Mama, warum hast du denn so viele Kerzen gekauft?“, will er wissen. Weil wir morgen am Allerheiligentag zum Friedhof gehen und die Grablichter auf das Grab vom Opa und der Tante stellen“, erklärt die Mutter. „Und warum? fragt Markus. „Opa und die Tante sind doch schon so lange tot, die haben ja gar nichts mehr davon“.„Aber wir“, antwortet die Mutter spontan. „Mir tut es gut, mich an meinen Vater und meine Schwester zu erinnern. Denn ich habe sie sehr lieb gehabt und denke gerne an vieles zurück, was wir zusammen erlebt haben, nicht nur zu Allerheiligen und zu Allerseelen. Diese beiden kirchlichen Feste machen mir aber immer wieder neu bewusst, dass niemand verloren geht, auch wenn er gestorben ist. Ich bin zwar traurig, dass ich nicht mehr mit ihnen sprechen kann, sie nicht mehr in den Arm nehmen und halten kann“, erklärt die Mutter. „Aber zugleich fühle ich mich ihnen ganz nah, weil ich fest glaube, dass sie bei Gott sind, den ich auch liebhabe und der mich liebhat und der immer bei uns bleibt, im Leben, im Sterben und in alle Ewigkeit“. „Das ist aber schön!“ meint Markus leise. „Jetzt verstehe ich, warum man Lichter auf dem dunklen Friedhof anzündet. Denn wenn Gott immer bei uns bleibt, dann kann uns ja eigentlich gar nichts passieren, nicht wahr?“
Gekürzt aus dem Buch „Was macht der liebe Gott am Sonntag?“ von Claudia Scharfenstein-Richter, Pattloch-Verlag.