Kommt zuerst das Herzrasen und dann die Angst. Oder sorgen meine Sorgen fürs Herzrasen?
Ausgabe: 2000/44, Vorsorge, Gesundheit, Körper
31.10.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Die Lebenserwartung der Oberösterreicher steigt ständig. Die mittlere Lebenserwartung der Männer liegt jetzt bei 74,8 Jahren, die der Frauen bei 81,0 Jahren. Trotzdem gibt es besorgniserregende Tendenzen, was die Gesundheitsentwicklung betrifft. Die zunehmend komplizierter werdenden Lebensumstände erzeugen bei vielen Menschen das Gefühl, es nicht mehr zu schaffen. Kontrolle und Überblick über das eigene Leben zu erhalten ist eine Voraussetzung für Gesundheit. Auf psychische Belastungen und auf nicht bearbeitete Konflikte reagiert der Körper mit Störungen.Auch die Jugend ist davon betroffen. Aus Angst, den Erwartungen und Normen nicht zu entsprechen, werden Jugendliche krank. Was mit einer schlichten Diät begann, wächst sich in nicht seltenen Fällen zu Magersucht aus. Ess-Störungen bei Jugendlichen sind ein massives Problem in der ärztlichen Praxis geworden. Der Psychologe Dr. Walter Lindner nennt dreierlei Arten, wie der Körper seelische Konflikte in Beschwerden umsetzt: Aus Beziehungsproblemen können sexuelle Störungen wachsen. Beschwerden werden – zum Beispiel im Magen, bei der Atmung, auf der Haut... wahrgenommen, ohne eine Veränderung von Organen zu erkennen. Und schließlich – darunter sind die klassischen psychosomatischen Erkrankungen zu verstehen – kann der Körper auf psychische Belastungen reagieren. So kann Angst, Wut, Aggressivität zu Bluthochdruck führen. Asthma kann mit Schicksalsschlägen zu tun haben. Soziale Isolation und Verluste können sich in Magengeschwüren ausdrücken, Hauterkrankungen mit Trennungen, Annäherungen, einem Nähewunsch oder einer Näheabneigung.Natürlich ist es nicht so einfach. Gesichert aber ist, dass 30% der Allergien ausschließlich psychisch bedingt sind und weitere 30% neben äußeren Einflüssen auch psychische Hintergründe haben.
Körperliche Abklärung ist wichtig. Doch die durchschnittliche Dauer von sieben Jahren, bis nach befundloser Arztkarriere Rat in der Psychotherapie gesucht wird, muss gesenkt werden. Die Heilungschancen, so Dr. Lindner, sind etwa bei Herzrhythmus-Störungen sehr gut, bei Allergien auch, wenn sie psychische Reaktionen sind.
Vorsorge-Tipps:
Damit es in mir nicht schreit
Belastende Situationen verändern, gute schaffen. „Alles, was mir gut tut, ist gute Gesundheits-Vorsorge“, sagt Dr. Lindner. Dazu muss ich wissen, was mich belastet. Vielleicht muss ich weniger arbeiten, Konflikte klären, für meine Aufgaben das notwendige Umfeld schaffen. Auch mein Mut kann gefordert sein, etwas wegzulassen. Ist die Situation nicht veränderbar, werden Entlastungs-Strategien umso wichtiger: Körperliche Übungen, Atemübungen, Meditation, Massage oder ...Mag. Fritz Weilhartner rät: Regelmäßige Bewegung, spazierengehen, Herz und Kreislauf in der Bewegung richtig belasten (Arzt fragen), sich gesund ernähren, soziale Kontakte pflegen, sich fragen: was tu’ ich, was will ich, geistig neugierig bleiben.
Der OÖ. Landesverband für Psychotherapie gibt Auskunft über das Leistungsangebot: 0732/776090 (di, Do 9-12)