Allianz für den Sonntag: Zusammenarbeit über die Kirche hinaus
Ausgabe: 2000/46, Budgetsanierung, Ökumene
14.11.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Bei ihrer Herbstkonferenz vergangene Woche forderten die österreichischen Bischöfe soziales Augenmaß bei der Budgetsanierung.
Im Interesse der kommenden Generation „brauchen wir eine kosequente Sparpolitik, aber wir dürfen deswegen das soziale Netz nicht schwächen“. Das betonte die Österreichische Bischofskonferenz in einer Erklärung zum Abschluss ihrer Tagung vergangene Woche. Die Gerechtigkeit einer Gesellschaft bemesse sich daran, wie mit den sozial Schwächsten umgegangen werde. Ausdrücklich schließen sich die Bischöfe der Sorge der Caritas an, dass im Bemühen um rasch wirksame Sparmaßnahmen „wichtige Detailfragen ungeklärt“ blieben und dadurch wiederum jene belastet würden, die „jetzt schon wenig haben“. Die Caritas hat vor allem die geplanten Sparmaßnahmen beim Arbeitslosengeld und der Notstandshilfe scharf kritisiert (vierwöchige Wartefrist bei einvernehmlichen Kündigungen oder beim Auslaufen befristeter Beschäftigungsverhältnisse; Reduzierung des Familienzuschlages von 663 auf 400 Schilling, Einführung einer Deckelung des Arbeitslosenentgeltes, so dass Bezieher geringer Einkommen nicht einmal in den vollen Genuss der reduzierten Familienzuschläge kämen). Ausdrücklich wandte sich Kardinal Schönborn gegen politische und mediale Stimmen, die das Eintreten der Caritas für die Schwächsten in der Gesellschaft mit Spott („Gutmenschen“ etc.) abtäten. Wenn dem Innenminister vorgeworfen werde, er sei offenbar „bei der Caritas in die Lehre gegangen“, weil er sich um eine menschliche Ausländerpolitik und eine korrekte Aufklärung von Missständen bemühe, so könne er die Schelte nur als Lob verstehen, meinte Schönborn.
Kein Sparpotential
Die Bischofskonferenz appellierte auch an die Verantwortlichen in der Politik, den Interessenverbänden und Kirchen, die für die Entwicklungszusammenarbeit notwendigen Mitteln zur Verfügung zu stellen. „Die Menschen in den benachteiligten Weltregionen sind kein Sparpotential. Die Kluft zwischen Arm und Reich in der Welt sei größer geworden und diese Fehlentwicklungen bedürfen einer Korrektur“, betonten die Bischöfe. Sie würdigten das Bemühen von Außenministerin Ferrero-Waldner, die trotz Sparbudget die Mittel für die bilaterale Entwicklungshilfe wenigstens auf dem Stand von heuer (750 Millionen Schilling) halten konnte, und mahnten die Regierung an die Notwendigkeit eines Schuldenerlasses für die ärmsten Länder.
Allianz für Sonntag
Die von der Dialog-Gruppe „Sonntag“ (Bischof Aichern) initiierte österreichweite „Allianz für den arbeitsfreien Sonntag“ wurde von den Bischöfen als eine „neue Form gesellschaftspolitischen Engagements, die für Partner aus dem kirchlichen und gesellschaftlichen Bereich offen ist“, gewürdigt. In der Allianz arbeiten Initiativen aus den Diözesen und Bundesländern, katholischen Organisationen sowie Gewerkschaften, Arbeiterkammer und Bischofskonferenz zusammen.
Im Blick:
Mit Spannung erwartet wurde ein Wort der Bischofskonferenz zur Ökumene. Das Dokument „Dominus Iesus“ der Glaubenskongregation und die Suspendierung von Dechant Hausberger in Salzburg, der mit einem methodistischen Pfarrer Eucharistie feierte (Interzelebration), hatten zahlreiche kritische Stellungnahmen ausgelöst.
Zur Ökumene
In ihrer Erklärung zur Ökumene betonen die Bischöfe, dass die Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Kirchen des Landes in bewährter Weise fortgesetzt werde. Die klärenden Worte des Dokumentes „Dominus Iesus“ seien zu begrüßen, da die Zurückweisung eines Relativismus, der „Jesus Christus nur als einen Religionsstifter unter anderen“ sehen will, gemeinsames Anliegen aller Christen sein müsse. Mit dem Dokument solle „keine Geringschätzung für andere Kirchen und kirchliche Gemeinschaften“ zum Ausdruck gebracht werden. Die Überzeugung, dass „die einzige Kirche Christi in der katholischen Kirche verwirklicht ist“, sei nach den Worten des Papstes „kein menschliches Verdienst, sondern ein Zeichen der Treue Gottes“. Zu einem ehrlichen Dialog gehöre es, dem Partner das eigene Selbstverständnis sagen zu können, ohne zu verletzen, betonte Kardinal Schönborn.Die „Interzelebration“ , so die Bischöfe, widerspreche der katholischen Lehre „auf schwerwiegende Weise“. Die Eucharistie setze den gemeinsamen Glauben in der selben Kirchengemeinschaft voraus. Die Bischöfe bitten die Priester, Gemeinden und Verantwortungsträger der anderen Kirchen, die Unterschiede zu respektieren und Gläubige nicht zu Handlungen zu ermutigen, die der Lehre und Kirchenordnung ihrer eigenen Tradition widersprechen.