Josef Pühringer, Geschäftsführer der überparteilichen Plattform gegen Atomgefahrwurde heuer mit dem Solidaritätspreis der Kirchenzeitung ausgezeichnet.
Die Kirchenzeitung bat Josef Pühringer zum Gespräch. Wir fragten ihn, wie er die Grenzblockaden im Rückblick einschätzt und mit welcher Hoffnung er den Kampf gegen das AKW Temelin nicht aufgibt. Pühringer: „Es war uns immer bewusst, dass die Grenzblockaden ein sehr heikles Instrument sind. Wir haben daher auch lange überlegt und uns entschlossen, sie zu machen, weil zehn Jahre Arbeit und Initiativen nichts gefruchtet haben. Wir haben vorher alles auf dem Verhandlungsweg ausgeschöpft.
Ist die Strategie aufgegangen? „Ja, voll. Die internationale Öffentlichkeit hat die Aufmerksamkeit auf Temelin gerichtet wie wir sie vorher nie erreicht haben. Hardliner wie der tschechische Ministerpräsident Zeman allerdings haben relativ schnell blockiert. In der tschechischen Bevölkerung gab es jedoch relativ viele positive Reaktionen. Natürlich kam es auch zu negativen Äußerungen.
Jetzt sind die Blockaden zu Ende. Was folgt? „Die letzte mehrtägige Blockade endete am Donnerstag vor einer Woche. Der Bogen war voll gespannt. Die Sache ausgereizt. Aber auch bei jenen, die die Blockaden mitgetragen haben, ist der Bogen bis zum Letzten gespannt. Daher haben wir die Blockade abgebrochen. Der konstruktive Dialog soll eine weitere Chance haben. Es muss aber etwas weitergehen, und zwar schnell. Der Widerstand braucht nun andere Methoden.
Welche könnten die sein? „Politisches Lobbying zum Beispiel. Und darauf drängen, dass die schon getätigten Versprechen eingehalten werden. Zeman hat ja beim ersten Schüssel-Gespräch von der Bereitschaft gesprochen, den Reaktor abzuschalten, wenn eine internationale Prüfung ergibt, dass die Sicherheit nicht gewährleistet ist. Es gibt nun die neue Studie der WENRA (Nuklearaufsichtsorgan der EU-Staaten), die die Sicherheit der Atomkraftwerke bei den Beitrittskandidaten zu prüfen hat, was für die EU Diskussionsgrundlage ist. Diese Studie bestätigt, dass es Probleme mit der Sicherheit gibt. Man muss bedenken, WENRA ist sicher keine Vereinigung von Atomgegnern. Das heisst, Temelin muss abgeschaltet werden.
Eine der Hauptforderung der Blockade war die Umweltverträglichkeitsprüfung - und der Sicherheits-Check. Welche Chancen hat die Forderung? „Es gibt einen EU-Ratsbeschluss, der für die Beitrittskandidaten die höchstmöglichen Sicherheitsvorkehrungen fordert. Temelin erfüllt diese nicht. Eine Kommission muss jetzt feststellen, wie es um Temelin steht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass da einige Unterlagen vertuscht werden.Dieser Sicherheits-Check kann aber nur bei abgestellten Reaktor sinnvoller Weise erfolgen. Voraussetzung ist daher, den Reaktor abzustellen. Auch wenn die Tschechen behaupten, was jetzt in Temelin läuft sei noch nicht einmal der Probebetrieb.
Blockade-Blitzlichter
Rund um die Temelin-Blockaden gab es mehrere Phänomene zu beobachten
Sie waren ein europäisches Musterbeispiel für friedlichen Widerstand. Wo gab es bisher so lange andauernde und so heikle Aktionen, die so friedlich verlaufen sind? Andererseits häuften sich Drohungen und Bedrohungen (Bombenalarm, Pühringer hat auch eine Briefbombendrohung erhalten...)
Auch das gab es: Tschechische Bürger unterstützten die Blockaden. Sie labten österreichische Grenz-Blockierer.
Ein weiteres war zu beobachten: Während zunehmend aus Industriekreisen Proteste kamen, weil der freie Waren- und Personenverkehr blockiert wurde, erzählten kleine Tankstellenbesitzer, Trafikanten und andere österreichische Geschäftsleute in der Grenzregion: „Jetzt kommen wieder Leute als Kunden zu uns, die wir schon Jahre nicht mehr gesehen haben...“